römö ganz liquide

LOST TRACK Kurztrip – Dänemark.

Gerademal eine halbe Woche aus Spanien zurück, die Wäsche noch nicht gewaschen, ging es schon wieder ans Packen. Klaus, der sich den Sommer über auf Römö mit seinem neuen Hobby, dem Strandsegeln vergnügte, lud uns zu einem Besuch ein. Das passte! Langes Wochenende über den 3. Oktober und wir waren froh direkt wieder unterwegs zu sein. Die vorherigen Tage, die reichlich Wasser von oben bescherten, sorgten dafür, dass nahezu der gesamte Strand überflutet war. Somit war an Tag eins kein Strandsegeln in Sicht. Nach kurzer Stippvisite und Sonnenuntergang am Strand ging es zu unserem Basislager, dem Familien Camping. Hier hatte sich Klaus mit Wohnwagen und Vorzelt eingerichtet. Bevor sich die gesamte Besatzung ins Bett verabschiedete wurde noch fix der Gaskocher angeschmissen um ein paar schnelle Nudeln zuzubereiten.

 

An Tag zwei gab es als erstes das verspätete Geburtstagsfrühstück für Timo. Alle dänischen Frühstücks – “Must Haves”, wie natürlich dänische Brötchen, Cocio Cacoa aus der Glasflasche und Klöver waren vertreten. Dazu gab es noch guten spanischen und französischen Käse und ein kleines Geburtstagsgeschenk zum Auspacken, perfekt! Der Strand war immer noch deutlich zu nass fürs Segeln. Er glich eher einer riesigen Spiegelfläche, die als Produkt von Seewasser und dunkler Gewitterwolken entstanden war und sich stetig vergrößerte. Wir brauchten also ein Ausweichprogramm. Den ganzen Tag im Vorzelt hocken und Karten spielen, da hatten wir keine Lust zu, also beschlossen wir dem Toyota mal etwas Auslauf am Strand zu geben und die überflutete Gegend zu erkunden. Und wer hätte es gedacht, nach den ersten 50 Strandmetern wurden die Wasserpfützen dann etwas tiefer und kein Mensch oder Auto ward mehr gesehen. Die überflutete Sandfläche mit ihren Dünen sah traumhaft, fast mystisch aus, so menschenleer und in Gewitterlicht getaucht. Ein paar Kühe guckten etwas verwirrt, aber wir hatten Spaß daran den Land Cruiser endlich mal durch weicheren Sand und tiefere Pfützen zu treiben. Auf der anderen Seite des Strandes trafen wir dann doch noch auf weitere Abenteurer, ein VW-MAN auf LT Basis stand hier. Aber nur die Katze war zu Hause, der war es wohl draußen zu ungemütlich.

 

Zurück am Campingplatz mussten wir feststellen, dass wir vorne am Strand wohl doch etwas besseres Wetter hatten. Der ganze Platz glich einem Schwimmbad, im Vorzelt schwammen die Töpfe und das der Nachbarn war sogar bis zur Hälfte eingesackt. Aber egal, wir hatten einen echt guten Tag und freuten uns auf trockene Klamotten und einen heißen Tee. Nach diesem ging es für den Land Cruiser durch die Waschstraße a la Neusseland. Sollte heißen Timo und Lisa begaben sich auf ausgiebige Pfützentür und die waren zu einer vielzahl in allen Größen zu finden. Am Ende konnten wir uns einigermaßen sicher sein, dass das gröbste an Salzwasser abgewaschen war. Nichts desto trotz hatte sich der Land Cruiser eine gründliche Dusche verdient, die zu Hause folgen sollte.

 

Am Sonntag klarte das Wetter auf und der Strand fing langsam an abzutrocken. Wir nutzen den Tag um die nächste Insel Farnö zu erkunden. Klaus wollte für den nächsten Sommer vorfühlen, welche der Inseln sich wohl besser eignet für das Sommerlager. Die Fährfahrt war zwar kurz, aber wir nutzen sie für eine kleine Kekspause, und verspeisten die letzten spanischen Palmeritas. Fähre fahren ist einfach immer wie Urlaub. Auf der Insel angekommen bemerkten wir schnell, dass hier doch noch deutlich mehr Leute unterwegs waren als auf Römö. Der Strand war ebenfalls in verschiedene Nutzungsbereiche eingeteilt: Badestrand, Strandsegeln, Strandbuggys, Windsurfen und Kitesurfen. Der Strandsegelbereich wirkte irgendwie klein, der erste Minuspunkt. Am Ende des Autobereiches parkten wir den Land Cruiser und erkundeten alles weitere zu Fuß. Etwas weiter strandabwärts fanden wir einen kleinen Aussichtsturm, der fast schon künstlerisch aus Strandgut zusammengezimmert war. Pluspunkt für Farnö … kann man aber ja auch auf Römö selber bauen. Die Häuserreihen unmittelbar am Strand waren, genau wie auf Römö, ein Schandfleck in der sonst so schönen Umgebung. Deutlich schöner waren da doch, die kleinen Reetdachhäuser und engen Gassen die wir im Herzen der Insel vorfanden. Bevor es dann mit der Fähre zurück auf’s Festland ging, picknickten wir bei Sonne am Hafen und zogen Bilanz. Römö hatte auf Grund der einfacheren Anreise und der ansonsten recht ähnlichen Struktur den Sieg davon getragen.

 

Am Montag war es dann endlich soweit! Wir machten uns guter Hoffnung, mit beiden Autos und samt Strandsegler, auf zum Strand. Dort trafen wir als erstes auf einen anderen Toyota Land Cruiser HZJ78. Welch seltener aber schöner Zufall. Der Strand war dann auch tatsächlich soweit abgetrocknet, dass der Strandsegler vom Hänger geholt werden konnte. Der Wind war zwar etwas unbeständig, so dass man einfach mal 10 Minuten zwischendrin auf der Stelle stand, aber das macht dem eingefleischten Strandsegler nichts. Da wird die Standzeit einfach zum Techtalk mit dem Nachbarn genutzt, ohne die Fahrerposition zu verlassen. Die nächste Böe konnte ja jederzeit vorbeiziehen.

Nachdem Klaus die ersten Runden Segeln und die neuesten Tips in der Tasche hatte, versuchten wir unser Glück. Zu zweit, sattelten wir auf. Zunächt durfte Timo ans “Steuer” (man lenkt mit den Füßen) und Lisa machte den blinden Passagier, stehender Weise auf der Hinterachse. Und sobald man aus der Windabdeckung kam, ging es nach vorne. Weiter unten am Strand waren die Bedingungen dann wirklich spaßig. Der Wind ausreichend und der Strand gespickt mit Pfützen und Matsch, was in Kurven zu ordentlichen Matschspritzern und Querbewegung der Hinterachse führte. Ein heiden Spass. Nach einiger Weile gab es dann den Fahrerwechsel. Lisa am Steuer und Timmo auf dem Sozius. Nachdem sich Lisa eingegroovt hatte gab es für sie das Solo, was relativ prompt, auf Grund fehlenden Gewichts, zur trockenen, dafür matschigen Kenterung führte. Wir beendeten den Tag, nass, sandig, schlickig und schlicht glücklich!

 

Leider war für uns schon wieder die Zeit gekommen gen Heimat aufzubrechen. Am nächsten Tag war wieder Arbeiten angesagt. Klaus, der glückliche Rentner ließ es sich verständlicherweise nicht nehmen ein paar Tage länger zu bleiben und das Wetter der kommenden Woche zu nutzen, um den letzten Rest der Strandsegelsaison noch voll auszukosten.