siesta in spanien

LOST TRACK Kurztrip – Spanien.

Hatten wir bereits auf dem AMR-Treffen drei Tage Urlaubsfeeling schnuppern können, so ging es am folgenden Wochenende in den Urlaub nach Spanien. Ursprünglich sollte dieser als Praxistest für unseren Innenausbau dienen. Wie so häufig waren wir beim Zeitansatz aber zu optimistisch, so dass nur “Etage 1” des Ausbaus erprobt werden konnte.

Unseren ersten Zwischenstop legten wir in Freiburg bei Lisas Tante ein. Anneli hatte uns im letzten halben Jahr immer wieder bestärkt unserem Herzen zu folgen, auch, wenn das viel Ungewisses mitsichbringt. Eines ihrer vielen Zitate wurde ein Leitspruch für uns: “Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen wird am Ende beides verlieren”. Unser spontaner Besuch passte wie die Faust aufs Auge. Am Abend wurden wir gleich Teil eines Familientreffens. Hier wurden alle Beteiligten erstmal auf den neuesten Stand gebracht. Bei allen war seit dem letzten Treffen viel passiert. Am folgenden Morgen wurde noch ausgiebig gefrühstückt, bevor wir uns gen Frankreich verabschiedeten.

Die Strecke bis an die französische Atlantikküste legten wir diszipliniert aber mit gemütlichem Reisetempo zurück. Wir fuhren ausschließlich National Straße. Timos Geburtstag stand ins Haus und der sollte im Idealfall mit einem Tag am und im Wasser gefeiert werden. Das gelang in anderer Form als geplant, war aber dennoch klasse. Die Nacht verbrachten wir auf einem Stellplatz bei Urt direkt an der Adour, nachdem ein freier Platz am Meer nicht zu finden war. Erst in der Dämmerung angekommen, gab es Pasta bei Kerzenschein auf einem Steg mit Blick auf den Fluss. Als Nachtisch gab es unseren langjährigen Frankreich-Klassiker, tartlet au fraise – Erbeerküchlein mit Vanillepudding. Dazu standesgemäß einen ordentlichen Schluck Milch. Den Surf gab es dann am Folgetag. Am nächsten Morgen wurde wieder mit Blick auf den Fluss gefrühstückt. Während wir entspannen konnten war für die Feuerwehr Aktion angesagt. Was zunächst wie eine Übung aussah, stellte sich bald doch als Ernstfall heraus. Die Geschwindigkeit mit der das Schlauchboot samt zwei Tauchern ausrückte, war auf alle Fälle beachtlich. Die Rettung war allem Anschein nach aber erfolgreich und die Feuerwehrmänner wieder zum Scherzen aufgelegt.

 

Wir gönnten uns nach so viel Aufregung erstmal einen Tee bevor es zurück an die Küste ging. In Bidart wurden wir fündig was Wellen anging. Dort trafen wir lustiger Weise auf zwei Australier, Sydneyianer. War schon stark mal wieder Ozzy-English zu hören. Die zwei waren in Portugal und Spanien unterwegs gewesen ohne Wellen zu finden. Für uns unvorstellbar. Dementsprechend heiß waren sie in Wasser zu kommen, was wir teilten, zumal Timo ein neues Spielzeug auszuprobieren hatte. Das Wasser war unfassbar warm, so dass die Neos trocken blieben. Das machte das Sommerurlaubfeeling perfekt.

Bidart – das Meer am Fuße des Berges – verbreitete eine gute Stimmung, war nur für unseren Geschmack viel, viel zu voll. Also machten wir uns auf den Weg nach Spanien, und zwar auf direktem Weg, da in Frankreich noch Hochsaison zu herrschen schien, die Orte zu groß und zu geschäftig waren.

In Zarautz wurden wir erstmals Zeuge der spanischen Gelassenheit. Wir fuhren durch Einbahnstraßen in Strandnähe. Es herrschte morgentlicher Berufsverkehr, eine Müllabfuhr stand vor uns. Auf dem Gehweg war eine massive Ladung an Sperrmüll aufgetürmt, die von drei Arbeitern besonnen verladen wurde. Das Ganze dauerte locker 15 Minuten, in denen die Autoschlange ordentlichen Zuwachs erhielt. Alle blieben gelassen und warteten geduldig ab. Leute stiegen aus ihren Autos aus und unterhielten sich, ein Fahrer ließ es sich nicht nehmen einige Matratzen, die bereits verladen waren, auf weitere Verwendbarkeit zu überprüfen. Stark, solch eine Gelassenheit hier zu Lande – wohl eher nicht zu finden.

 

Unser nächstes Ziel war Mundaka, für uns der schönste baskische Fischerort, den wir zu Gesicht bekamen. Der gesamte Ort scheint sich um den kleinen Hafen gebildet zu haben, der immer noch das Zentrum des Geschehens ist. Er ist umringt von alten Fischerhäusern die allesamt seewärts ausgerichtet sind. Der Ort schafft es, sich trotz touristischer Tendenz, seinen altwürdigen und authentischen Charme zu bewahren. Besondere Anziehungskraft hat Mundaka auf die Surfszene, die hier Europas längste Linkswelle findet. Wirklich besonders wird der Surf in Mundaka, nicht zu letzt weil man aus dem Hafenbecken ins Lineup paddelt.

 

Aus Mundaka folgten wir einfach den kleinen Küstenstraßen und ließen uns treiben. In Menakoz fanden wir dann den ersten Ort zum Verweilen. Hier führt eine steile Schotterpassage bis zu einem Plateau, an dessen Fuße man Zugang zu einem klasse Steinstrand hat. Wir blieben gleich zwei Nächte. Menakoz bot einfach alles, absolute Ruhe am späten Abend, einen Schlafplatz den man sich nicht teilen musste, einen grandiosen Ausblick auf Atlantikwellen, den fantastischen Badestrand und es gab sogar eine Dusche. Für uns endete Menakoz in unserer persönlichen Stellplatz-Bestenliste.

 

Von hier aus fuhren wir wenige Kilometer nach Sopela um bei einfacheren Surfbedingugen einen gemeinsamen Strandtag zu verbringen. Das Wetter das zwischenzeitlich etwas geschwächelt hatte, zeigte sich wieder von seiner besten Seite. Warum wir in Sopela blieben, weiß im Nachhinein kein Mensch. Die  Großparkplätze in Strandnähe waren, dem Wochenende geschuldet, alle brechend voll. Naja, wir zogen ein Parkticket für drei Stunden, und marschierten mit Sonnencreme und Surfgerödel an den Strand. Nach dem doch eher stressigen Strandtag, gab es im Anschluss gleich den zweiten Dämpfer. Man hatte versucht in unseren Toyo einzubrechen. Abgesehen vom Wiederstand unseres Autos hatten die Verbrecher gute Karten, der Parkplatz war zwar voll aber auch unübersichtlich, schlecht einsehbar und auf den Parktickets war ihre Gültigkeit vermerkt. Somit konnten sie sich ziemlich sicher sein, dass wir nicht unwesentlich eher zurückkehren würden. Wir hatten jedoch Glück, dass trotz den Versuchen an Hecktür und Beifahrertür – und diese waren den Blechen nach zu urteilen nicht zimperlich gewesen, der Erfolg ausblieb. Hätten die Diebe stattdessen die Fahrertür gewählt, wäre es für uns wohl nicht so glimpflich ausgegangen. Wie sich später herrausstellen sollte, fehlte auf der Fahrerseite nämlich die Spange zum Sichern des Schlosses. Für uns ging es ersteinmal zurück nach Menakoz, um die Bleche provisorisch zu richten und nen Tee mit Meerblick und die Ruhe zu genießen. Die Bleche sahen wieder einigermaßen dellenfrei aus und auch die Schlösser waren wieder verbaut. Was blieb war das ungute Gefühl das Auto auf vollen Parkplätzen abzustellen. Aber auch das lichtete sich irgendwann wieder.

Unsere ursprüngliche Reiseplanung sah vor uns im Baskenland aufzuhalten und die 3,5 Wochen Urlaub mit möglichst wenig Fahrerei zu verbringen. Nachdem aber auch das Baskenland noch ziemlich gut besucht war und auch die Stellplätze, die wir bislang fanden, selten unserem Wunsch nach einem Solo-Stellplatz erfüllten.

Wir machten also mal ein paar Kilometer, ließen Bilbao als regionale Hauptstadt und auch Santander hinter uns. Nach Santander zog es uns wieder Richtung Atlantik. In Kantabrien angekommen fanden wir unseren ersten Übernachtungsspot am Playa de Luana. Diesen hatten wir wieder komplett für uns alleine, gelegen zwischen alten Telefonmasten, mit einer Tisch-Bankkombination direkt vor dem Auto und unmittelbarer Nähe zum Strand. Hatten wir zuvor schon den einen oder anderen Pilger auf seinem Weg nach Santiago gesehen, lag der Playa de Luana direkt auf der Küstenroute. Somit war man sofort in Kontakt mit Pilgern unterschiedlichster Nationalität, die bereitwillig über ihre Pilgerreise und Motivation Auskunft gaben.

 

Nach zwei Nächten im Dachzelt mit Ausblick auf den Playa de Luana ging es für uns weiter entlang der Küste. Der Atlantik hielt täglich Wellen für uns bereit und da machte Oyambre nahe San Vincente keine Ausnahme. Nachdem wir uns bis zum frühen Nachmittag ausgetobt hatten, ging es in die Stadt zum Einkaufen. Neben der wirklich schönen Altstadt hielt San Vincente de la Baquera ein weiteres Highlight für uns und besonders für Timo, den alten Milchjunkee, bereit. Seit wir in Spanien waren hatten wir keine frische Milch mehr gefunden und mussten mit H-Milch vorlieb nehmen. In San Vincente fanden wir einen Milchautomaten, an dem man wahlweise 1,2 oder 5l frische Milch zapfen konnte. Schnell wurde eine 5L Wasserflasche gekauft, dessen Inhalt den Weg in unseren Wassertank fand und gegen weißes Gold ersetzt wurde. Aus unserer Sicht ein klasse Ansatz zur lokalen Direktvermarktung, der beim Einsatz von Glasflaschen auch noch Resourcen spart. Zur Milch gab es dann noch frische Palmeritas aus der Bäckerei. That’s Life!

 

Aus San Vincente fuhren wir mal ein wenig landeinwärts in Richtung Berge. Die Serpentinen schraubten sich höher und höher. In der Nähe der Cueva el Soplao, einer Höhle die sich über 27km erstreckt von denen knapp 10km der Öffentlichkeit zugänglich sind und bekannt für seine Vielzahl an geologischen Formationen ist, entschlossen wir uns den Toyota mal ein wenig abseits der Straßen zu bewegen. Von einer Anhöhe hatten wir eine alte Minenanlage gesehen, die es zu erkunden galt. Der Lack musste ein wenig leiden da die enge Schotterpiste links und rechts mit Goose bewachsen war, aber das hörte sich dann doch fieser an als es war. Nach einigen steileren Passagen kamen wir an der Minenanlage an. Außer uns waren lediglich zwei Kühe anwesend. Von dem Plan hier zu übernachten wichen wir auf Grund starken Regens ab. In Richtung Küste sahen die Wolken weniger dicht aus, also fuhren wir dorthin zurück. Unser Nachtlager schlugen wir nahe San Vincente am Brazo Mayor auf. Das Wetter ließ auch hier leider zu wünschen übrig!

 

Am kommenden Tag ging’s bei Vidiago ans Wasser. Hier machten wir einen ausgiebigen Sapizergang entlang der Küste und das bei Sonne, die sich nach dem Frühstück wieder zeigte. Da wir nach diesem noch nicht genug hatten schauten wir uns am Playa Guadamia, die gleichnamigen Bufones, die Blowholes an. Da die See recht ruhig war sahen wir hier keine Wasserfontänen, dafür war das scharfe, tiefe Pfeifen aus den Erdspalten aber mindestens genauso beeindruckend.

 

Den nächsten Ort der zum Verweilen einlud fanden wir rein zufällig nahe Duesos. Die Einladung war so charmant, das wir gleich ganze vier Nächte blieben. Eine große Grünflache mit direkter Anbindung an den Strand und wenig Besuchern. Die meisten Nächte standen wir hier alleine, nur in Gesellschaft von einer alten T2 Pritsche, die hier im wörtlichen Sinne Wurzeln geschlagen hatte. Die Karosse, an der der Zahn der Zeit bereits ordentlich genagt hatte, war mittlerweile eins mit dem hochwuchernden Gestrüpp. Sie trug die Aufschrift MotorBeach.

Doch der T2 sollte zu neuem Leben erweckt werden, zumindest war das der Plan von zwei lustigen Spaniern, die mit Geländewagen und Autotrailer anrollten. Das war’s. Wie der Bulli aus dem Gestrüpp befreit werden sollte war nicht wirklich durchdacht. Daher gab es erstmal die Anfrage ob wir unsere Winde einsetzen könnten um den Bulli zu bergen. Hätten wir gerne gemacht, doch das Stahlseil lag noch daheim und badete brav in seiner Ölwanne.

Ein Abschleppseil und unseren Körpereinsatz konnten wir zur Verfügung stellen. Der Bulli war extrem wehrhaft, die Reifen drehten sich irgendwann einfach auf der Felge, ohne dass sich das Rad einen Zentimeter bewegte. Der Motor war durch’s Bodenblech gebrochen und diente als weiterer Anker. So hat es eine halbe Ewigkeit gedauert bis wir mit vier Leuten den Bulli endlich auf dem Autotrailer hatten. Tja, nicht ganz wie geplant. Der Bulli stand zu weit vorne, so dass man die Deichsel nicht mehr herunterkurbeln konnte. Also wurde Der Nissan Terrano nochmals vor den Karren gespannt um die Parkposition zu korrigieren. Geschafft! War ein ziemlich lustiger Nachmittag trotz oder gerade wegen den Verständigungsproblemen.

 

Ein Teil vom Charme des Platzes fuhr davon und wir folgten ihm. Wir wären gerne einfach weiter Richtung Süden gefahren, aber die Zeit war noch nicht gekommen, nur das Ende unseres Urlaubes nahte. Also traten wir gemächlich die Rückreise an, da wir unterwegs noch mit zwei Freunden verabredet waren. Mit Christoph und Krystyna verbrachten wir noch zwei Tage am Playa de Luana bevor es weiter der Heimat entgegen ging. Oh schönes Spanien, bald ließen wir dich hinter uns.