Friday and Sunday joining to Funday

LOST TRACK Reiseblog – Frankreich/Spanien

Noch während unserer Regenerationsphase in La Franqui treffen wir auf Pia, Shaun, Baba und Scooby. Nick war abgereist und auch wir befanden uns eigentlich auf dem Sprung – Anlauf Nr.2 für die Pyrenäen. Unser Plan sah vor noch weitere zwei Tage abzuwarten, um am Freitag den Markt in Leucate zu besuchen, Gemüse und Obst zu bunkern und ein letztes Mal das Baguette und die Schokocroissants unseres Lieblingsbäckers zu kaufen. Pläne …

Wir treffen also auf das Quartett und es fing alles eigentlich ganz harmlos an. Lisa war auf dem Weg zum Wasserholen, es war Großkampftag in Sachen Wäsche angesetzt und warf im Vorbeigehen Pia ein Bonjour zu. Dies schien auch für Baba Grund genug um Lisa zu begrüßen, auf ihre ganz eigene drollige Art. Wobei zu diesem Zeitpunkt Baba noch ein Phantom war. Auf dem Rückweg bemerkte Lisa das Oldenburger Kennzeichen und man kam nicht zuletzt wegen Pias interessantem Bastelprojekt ins Gespräch. Es stellte sich zum einen heraus, dass nicht etwa neue Gardinen das Ziel von Pias Bemühungen waren, sondern ein Fusshocker und der weiße tapsige Riese Baba heisst. Baba, ein Findelkind aus Spanien, das ein Weihnachtsgeschenk des Zufalls wurde und die zwei nun schon die ersten elf Monate ihres Lebens begleitet. Zu Pia und Baba gesellen sich noch Shaun und Scooby – zwei britische Dudes, die gemeinsam als Familie in einem alten Hymer Wohnmobil auf Achse sind. Der äußerst sympathische Erstkontakt bescherte uns sogleich das Nutzungsrecht einer ausgefeilten Waschmaschine, die Lisa als Trophäe von ihrer Wassertour in Petto hatte. Die Zeit und Kraftersparnis, gegenüber reiner Handwäsche war enorm.

 

Bei der Rückgabe der Waschmaschine haben wir zwei uns dann sowas von fest gequatscht, der Gesprächsfaden wollte einfach nicht abreißen. Themen gab es viele, die alle fernab von 0815, Smalltalk angesiedelt waren. Unsere gemeinsame Zeit war fortan von Geschenken allerlei Art geprägt und wir sollten direkt unser erstes in Form eines Campingbackofens von den zweien erhalten. Shaun und Pia hatten sich beim Familienbesuch in Deutschland den Luxus eines amtlichen Gasbackofens für ihr Heim gegönnt. Für die zwei war es ein unhaltbarer Zustand nicht in der Lage zu sein ein eigenes, anständiges Brot backen zu können und schufen direkt Abhilfe, in dem sie sich wie selbstverständlich von ihrem alten Begleiter trennten.

 

Wir versuchten uns sogleich zu revanchieren, mit einer Kostbarkeit aus unserem Kühlschrank. Die einzig wahre Wild Meat Sauce, einem Original und Einzelimport aus Little Wanganui in Neuseeland, unserem Surf-Homespot an der Westküste, just 20 min up the road von Lisas Schwester. Zudem fanden wir es schön eines unser Lieblingsbücher, The Sacred Balance, an die zwei weiter zu geben. Unserer Einschätzung nach würde dies den Nerv der beiden treffen, da sie auf dem Weg nach Portugal sind um dort Teil eines Permacalture Projektes zu werden. Wenn sie das richtige Stück Land finden, wollen sie dort sesshaft werden und selbst versorgt leben.

Noch am selben Abend fand die Wild Meat Sauce ihren Einsatz auf Shaun’s selbst gemachten French-Burgers – Burger auf Baguette, zu denen wir eingeladen waren. Die Sauce traf Shaun’s geschulten Gaumen und er war begeistert, hatte man ihm – einem absoluten Saucen Junky, doch noch nie eine geschenkt. Unsere gemeinsame Zeit hielt viele Highlights bereit, bei dem die Küche keine Ausnahme war. Shaun, ein Dude mit vielen Talenten, hat eine ausgesprochene Schwäche für gutes Essen, nicht zuletzt wegen dieser hatte er diverse Jahre in verschiedenen Küchen zugebracht. Serviert wurden von Shaun und Timo, die erwähnten French-Burger, Kürbissuppe, selbst gemachtes Naan Brot und Wraps, Pfannkuchen, Veggieburger, Pizza und Knoblauchbrötchen, Nudelauflauf, Chilli con und sin Carne, Currypfannen, Knoblauchthunfischnudeln und ein Full-English-Breakfast samt Champagner, prost! Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, es war einfach alles unfassbar lecker!

 

Noch am ersten Abend saßen wir bis spät in die Nacht vor Saint Clair, so der Name des Hymers, und machten den absoluten Rundumschlag. Jeder von uns hatte einen individuellen Weg hinter sich, um nun im Hier und Jetzt an dem selben Punkt zu sein. Shaun, der auf ein Leben unterwegs hingearbeitet hatte, zunächst als Koch, dann als Ernährungsberater, dann als Lagerist in einem Elektronikgroßhandel, um sich schlussendlich mit der Verpflichtung bei der britischen Armee als Sani auf einem U-Boot finanzielle Unabhängigkeit zu schaffen. Pia, die im Anschluss an die Schule nach Portugal ging, zurück in Deutschland nach einem halbherzigen Studienversuch feststellte, dass sie nicht ins Raster passt und nach Portugal zurückkehrte, wo sie auf Shaun und Scooby traf und mit ihnen weiter zog. Lisa, die nach Auszeit Nr.1 wieder Fuß gefasst hatte um sich dann nach Nr.2 ganz auf Abwege zu begeben. Und Timo, der eigentlich fest verankert war um dann aber nach nur einer Auszeit aus den Angeln zu geraten. Viele Wege führen ins Jetzt und da sind wir nun. Shaun und Pia, die den Sonntag als ihren Wochentag erkoren haben und wir, die den Freitag frönen, weil dieser unserem Lebensstil gleicht, in dem wir nur einen gewissen, einen kleineren Teil unserer Zeit dem Geldverdienen widmen wollen. Nicht zuletzt daher kommt der Name unseres Autos, Freitag. Pia greift das direkt auf und meint zu Shaun: „Their Car is called Friday“. Zu einer Übereinstimmung welcher Wochentag nun der bessere sei kommen wir an diesem Abend nicht, stattdessen führen wir einen neuen noch besseren Wochentag ein, die Mischung aus Friday und Sunday – Funday! Und so soll es tatsächlich kommen, es folgen viele Fundays mit Shaun, Pia, Baba und Scooby.

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Also starteten wir als Reisegruppe Richtung spanische Grenze. Wir brachten es bis nach Perpignan, um dann am Lac de Villeneuve-de-la-Raho unser neues Lager aufzuschlagen. Hier mussten wir zwei Fundays verbringen, um dann im Dunstkreis einen Emmaüs, einen Charity Second Hand Markt, besuchen zu können. Auf diesem werden gespendete Gegenstände zum Wohl von Obdachlosen verkauft. Die zwei Tage waren spielerisch mit Inhalt gefüllt, obwohl man sich angesichts des nicht wirklich schönen Sees, an Tag Eins bereits fragte wie der Folgetag mit Leben gefüllt werden sollte. Am Abend bringt Pia, warum auch immer zur Sprache, sie hätten ja auch Zeugs zum Tätowieren dabei. Keine Ahnung ob wir gelangweilt schienen. Timo ließ dieser Einwurf allerdings keine Ruhe, dachte er doch bereits nach der Rückkehr aus Neuseeland über ein Tattoo nach. Es sollte seine Verbundenheit mit dem Element Wasser symbolisieren, welches mit einem nach unten gerichteten Dreieck dargestellt wird. Lisa war direkt klar worauf dies hinaus laufen würde und es dauerte noch bis zum Folgetag bis sich auch Timo darüber im Klaren war und die Frage hervorbrachte: „ Also wie genau läuft das jetzt mit dem Tätowieren?“ Die Theorie schien simpel und so begaben wir uns auf die etwas komplizierte Suche nach dem perfekten Dreieck. Lisa skizzierte ein erstes Dreieck freihand, das klasse aussah. Aber war es perfekt? Timo und Shaun, zwei Perfektionisten am Werk, hatten ihre Zweifel und so wurden die nächsten Varianten vermessen, eine Schablone angefertigt bis das ganze in einer Klebefolie gipfelte. Aber, man konnte es drehen und wenden wie man wollte, kein Dreieck des Kontrollfreakduos war annähernd so gut wie die erste Freihandzeichnung. Natur ist halt auf ihre Art und Weise perfekt, zu diesem Schluss musste man wieder einmal kommen. Also loslassen!

Am Ende durfte Lisa ein weiteres Exemplar freihand zeichnen, das im Nachgang mit Tinte und unterschiedlichen Nadeln, Stich für Stich verewigt wurde. Am Ende des Tages war es geschafft und allen erschien es so als gehörte es schon immer dorthin. Eine persönlichere Widmung kann es wohl kaum geben. Wasser und Lisa, vereint in einem Tattoo! Ein perfektes Gegenstück zu dem Ring aus Treibholz, den Lisa trägt.

 

Nach dem Emmaüs, auf dem wir nach einer Ukulele für Timo Ausschau halten wollten, hatte er sich doch mit Shaun’s angefreundet, ging es weiter an die Klippen von Banyuls-sur-Mer. Statt der Ukulele hatten wir eine Bongotrommel für Lisa im Gepäck, die im Trommelcamp mit Helmut Blut geleckt hatte. An diesen Klippen waren wir zuletzt zu Zeiten unseres VW LT.  Auch hier war es schön noch einmal zurückzukehren und diesmal diesen Ort mit der Truppe teilen zu können.

 

Hatten Shaun und Pia einige Änderungen am Innenausbau ihres Hymers auf dem Schirm, nahmen wir ein bereits zu Beginn unserer Zeit gemachtes Angebot in Anspruch und ließen uns von den beiden zeigen wie man Barfußlederschuhe nähen kann. Eine neue Bettverblendung wurde fertiggestellt und auch ein Holzarmaturenbrett machte Fortschritte während unsere ersten selbstgenähten Lederschuhe Form annahmen. Shaun und Pia hatten bereits vor einer Weile mit der Fertigung von Lederschuhen begonnen, die unter dem Label „Gemütlichkeit“ geführt werden sollten. Die Schuhe sind dabei komplett selber, anhand von Gipsabdrücken, die den Füßen von Freunden und Familie entstammen, entworfen. Wir konnten uns Schnittmuster und Leder aus dem Fundus aussuchen. Der Grundgedanke der Schuhe besteht darin die verschiedenen Untergründe wieder für die Füße erfahrbar zu machen, ohne die Unannehmlichkeiten. Anderthalb Tage brachten wir mit dem Ausschneiden von Leder, dem Stanzen von Nahtlöchern und dem Vernähen der Schuhteile zu. Am Ende waren wir Stolz wie Oskar auf eigenen Schuhen zu stehen! Um den gesamten Prozess einmal nachzuvollziehen designten wir einen komplett eigenen Schuh. Immer wieder schön zu wissen wie es gemacht wird.

 

Und so verging ein Funday nach dem nächsten und das Auflösen unseres WG-Lebens viel so schwer, dass wir anstatt in die Pyrenäen mit nach Spanien fuhren, um einen seichten Ausklang in der Nähe von Roses zu haben. Shaun und Pia würden dann im Landesinneren an den Atlantik fahren und wir die Route durch die Berge wählen.

 

Doch vorerst stand Strandleben und Sonnentanken auf dem Programm! Genau Scooby’s Kragenweite, der sobald Wasser in der Nähe ist von diesem nicht mehr loszukriegen ist. Das Größte für ihn ist Wasser in Kombination mit Bällen, wobei für Scooby auch Stöcker Bälle sind. Für diese stürzt er sich auch in die Tiefe ins kühle Nass.

 

 

Wir taten es ihm gleich, um bei angenehmen Temperaturen für Abkühlung zu sorgen. Daneben bastelten Shaun und Pia an einem neuen Beleuchtungskonzept für den Innenraum ihres Wohnmobils. Als Grundlage dafür diente so ziemlich jeder Werkstoff, der mit einem ganzen Arsenal an Werkzeugen in die gewünschte Form gebracht wurde. Diverse Sägen, Hobel, Raspel, Dremel, Bohrmaschine … alles Teil der mobilen Werkstatt. Sogar eine Werkbank ist an Board. Bei den zweien ist alles selfmade!

 

Auch hier in Spanien sollten die Premieren für uns nicht abreißen. Pia und Shaun haben bereits mehrfach davon berichtet, dass Spanien ideal zum Dumpster Diving, deutschsprachig Containern, sei. Vielerorts seien die Mülltonnen der Supermärkte zugänglich und die Lebensmittel gesondert in Müllsäcken verpackt. Zuweilen geht es soweit, dass wenn man zur richtigen Zeit vor Ort ist, einem gemischte Tüten von den jeweiligen Supermarkt Mitarbeitern überreicht werden.

In dem Supermarkt, in dem wir unser Glück versuchten, landen wir sofort einen Volltreffer. Der graue Müllcontainer ist gefüllt mit Mitteln die Leben ermöglichen, oder zumindest sollten! An diesem Tag bergen wir Schokocroissants und Muffins, Pudding, Auberginen, Unmengen von Salat, Orangen, bestimmt 40 Salami, Zwiebeln, Schinken, Lachs, und Pizzateig. Es ist einfach nur krass!

 

Lebensmittel haben es so schwer den Weg in die Regale unserer Supermärkte zu finden, um dann am Ende noch in rauen Mengen achtlos weggeschmissen zu werden. Ihr Wert komplett verachtet, all die Energie und Ressourcen, die in sie geflossen sind, die Arbeit die investiert wurde, das Co2 das für die Produktion und den Transport angefallen ist … Beim Anblick der geborgenen Lebensmittel wird uns noch ein weiteres Problem vor Augen geführt, das der Verpackung. Viele Produkte sind gebündelt verpackt und ist nur ein Teil in der Verpackung angegangen, so sind alle dem Müll geweiht. Wie sinnlos? Die Verpackungsindustrie muss gute Lobbyarbeit leisten … und wie einfach wäre es Abhilfe zu schaffen, mit Einzelauslage!

Beim Blick auf die Verfallsdaten, fallen wir nochmals vom Glauben ab, kaum eines der Produkte war tatsächlich über dem Verfallsdatum. Es ist ja nicht so, als hätte man diese Fakten nicht bereits mehrfach auf dem Papier präsentiert bekommen, aber es mit den eigenen Augen gesehen zu haben, lässt sie einen nicht mehr so leicht verschließen. Der Supermarktmitarbeiter der uns bei der Plünderung erwischt ist uns wohl gesonnen und animiert uns eher zur Mitnahme. Ihm scheint dieser Umgang mit Lebensmitteln offenbar auch gegen den Strich zu gehen, was ziemlich cool ist. Was wir hier sahen, war allerdings ein Witz! Das Gesamtausmaß der Verschwendung muss unfassbar sein und wir waren bereits jetzt fassungslos. Vor dem Hintergrund der Lebensmittelknappheit in vielen Teilen unserer Welt ist unser Verhalten schlichtweg lebensverachtend und ist mit Hygiene- und Sicherheitsvorschriften unserer Meinung nach nicht zu rechtfertigen.

Am Nachmittag investierten wir ein wenig Zeit für das Aussortieren von tatsächlich Verdorbenem und das Waschen vom Salat – und fertig. Eine gesamte Woche kamen die geborgenen Lebensmittel in unseren Gerichten vor und füllten unsere Mägen. Unser Fazit … lieber in unseren Mägen als in keinen!
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Thanks to Pia & Shaun for teaching us so much and all the inspiration we got from you!

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