La Rencontre avec Leucate

LOST TRACK Reiseblog – Frankreich

Diese Sache mit der Erinnerung ist eine fantastische Funktion unseres Gehirns. Unsere Erinnerung an Frankreich wird wohl immer besonders von zwei Regionen geprägt sein. Auf der einen Seite, dem Westen, die Bretagne, mit seiner rauen Küste, den kleinen Natursteinhäuschen und guten Wellenreitbedingungen. Und so war das Cap de la Chevre in den vergangenen 6 Jahren häufig erste Wahl, nicht zuletzt wegen der Sache mit dem Wellenreiten.

Doch es gab da auch noch das Languedoc au Roussillon, am Mittelmeer zum Fuße der Pyrenäen. Ganze neun Jahre war es her, dass wir dieser Region Frankreichs einen Besuch abgestattet haben. Zwei Jahre in Folge haben wir in Leucate zwei Monate verbracht und in dem darauffolgenden Jahr einen. Da wir ohnehin geplant haben uns die Bergwelt der Pyrenäen mal zu Gemüte zu führen, drängte sich ein Besuch in Leucate quasi auf.

Es ist schwer zu beschreiben was sich dort in unseren Köpfen tat als wir das bekannte aber ein Stück weit vergessene Terrain betraten. 9 Jahre später, klar hatte sich einiges verändert, der wilde Stellplatz am Etang war einem Parkplatz mit Parzellierung gewichen, im Ort fand man Neubauten wo ehemals die Genossenschaft der Weinbauern eine Cooperative hatte. Der kleine Supermarkt, Shopi, wurde von einer großen Kette geschluckt und am Etang ein Surfcenter errichtet. Trotz, oder vielleicht auch wegen der Veränderung lief unsere Erinnerungsmaschinerie auf Hochtouren. Erste Amtshandlung war ein ausgiebiger Spaziergang am Etang entlang bis hoch in den Ort, wie wir ihn früher so oft nach dem Abendessen unternahmen. Auf dem Weg zum Etang wurde dann noch der alte Stellplatz inspiziert und detailliert rekonstruiert wo wir in den Jahren mit unserem VW LT standen und wo man wen getroffen hat.

Schnell waren die Namen der Leucate Surfshopcrew wieder präsent als wäre es neun Tage nicht Jahre her. Bei unserem späteren Einkauf im Ex-Shopi, sahen wir dann Arno in seinem Surfshop. Erst war ich ein wenig unsicher ob ich tatsächlich rübergehen sollte, ich hatte starke Zweifel ob er mich erkennen würde. Ich hatte keine Wahl! Ich rüber: „Bonjour, do you recognize me?“ Und es war einfach nur abgefahren, an Arno’s Gesicht erkannte man prompt, dass er sich erinnerte. „Of Course I remember you! How are you!“ Wir standen dann noch bestimmt eine halbe Stunde nach Ladenschluss vor der Tür und quatschten. Wir versprachen am Folgetag zurückzukehren um auch Pierro Hallo zu sagen. Und das gleiche phantastische Spiel wiederholte sich, wir wurden umgehend erkannt und man war sofort im Modus wo Erinnerungen floßen und man Details abrufen konnte. Weisst du noch welches Surfbrett ich gekauft habe? Ja sicher… Und es wurde mit Länge und genauem Volumen rezitiert. Hammer! Ich wusste sofort wieder welche Musik damals im Shop lief und so weiter.

Dritter im Bunde war Christo, der Segelmacher. Auch mit Christo gab’s viele schöne Erinnerung zu teilen und erst als dieser seinen Sohn von der Schule abholen musste konnten wir uns lösen. Mit Glück treffen wir ihn wieder in Tarifa, schauen wir mal…

Und so ging sie weiter die schöne Leucate Revival-Tour. Wir liefen hoch zur alten Kapelle in Mitten der alten Festungsanlage von wo sich ein einmaliger Ausblick über den Etang, das Meer und Leucate bietet.

In seinen wahren Farben jedoch erstrahlt Leucate beim Bummel durch den alten Ortskern. Erscheint von oben alles Terrakotterfarben ist es auf Augenhöhe alles Bunt, herzlich und verspielt. Wir sind bis heute dem Charme der verputzten Naturstein Altbauten erlegen, die rau, authentisch und mit ihrer Farbenfreude zugleich herzlich erscheinen.

 

Highlight war dann der Besuch beim unscheinbarsten, aber unsere Meinung nach besten Bäckers des Ortes. Das Baguette und die Schokocroissants sind einfach ein Gedicht und unerreicht. Mit dem Baguette kommt man auch als alter Schwarzbrotesser eine ganze Weile klar.

 

Ja und da gab es ja noch, diesen schrägen aber super lebensfrohen Kölner. Hatten wir auf dem alten Stellplatz am Etang bereits sein antiquiertes Surfmaterial gesehen und nach ihm Ausschau gehalten, trafen wir dieses Original nun auf dem Rückweg vom Strand in La Franqui, einem Nachbarort Leucate’s. Wie sich herausstellte parkte er mit seinem Audi A4 Stufenheck direkt neben uns. Bei unserem letzten Treffen waren wir beide noch im Besitz eines VW LT Sven Hedin und unternahmen einige gemeinsame Ausflüge. Legendär bleibt ein Strandausflug ans Cap Leucate wo Nick einen riesigen Stofftierlöwen aufgabelte, der dann direkt an der Dachreling des LT befestigt wurde. Auch der Name des Löwens war schnell gefunden, Clarence, wie der von Daktari. Mit Clarence erschreckte Nick fortan freche bis hinzu aufdringliche Hunde. Auch in Sachen Abwaschen hatte Nick seine ganz eigene Technik. Das machte er nämlich mit einer Spritze, die normal zur Beseitigung von Unkraut eingesetzt wird. Hiermit erzielt man laut Nick den geringsten Wasserverbrauch.

 

Auch diese Geschichte sollte ein wenig fortgeschrieben werden und so zogen wir in den kommenden Tagen mit Nick um die Häuser und er klärte uns über alle Entwicklungen auf, die an uns vorbeigegangen waren. Dann kam der Tag, der Tag oder besser gesagt der halbe Tag an dem der Tramontana blies. Wir waren mit Nick am Etang verabredet, um am selben Tag noch in die Berge zu fahren. Hatte Windsurfen in den vergangenen Jahren seinen Reiz verloren, war es vor dieser Kulisse wie eh und jeh. Die Preise am Surfcenter waren fair und so wurde der Leucate Besuch mit einer Surfsession abgerundet. Man merkte natürlich, dass das Timing bei den komplizierteren Manövern nicht mehr ganz stimmte, ansonsten lief es für den Kaltstart wirklich gut. Lisa erging es ebenso. Auch sie war nicht wirklich aus der Übung gekommen, lediglich die ungewohnte Belastung machte sich bemerkbar. Und so gesellten sich zur Zufriedenheit zwei Paar lange Arme.

 

Ah, Leucate du hattest zwar dein Gesicht geändert doch deinen Charakter behalten. Ebenso galt dies für die Menschen die wir wieder trafen. Schön wars!!