Learning from the Pros – Garage Jaboud Challenge Zagora

LOST TRACK Reiseblog – Marokko / Garage Jaboud Challenge Zagora

Spätestens mit dieser Story wird es abgefahren und sie beginnt genau genommen in Portugal … In Malhao trafen wir seiner Zeit auf eine Gruppe spanischer Offroader. Nach unserem Treffen kam es zur Verbandelung auf Facebook und daraus resultierte eine Freundschaftsanfrage aus Marokko. Omar, vielen auch bekannt als Sansibu, hatte in uns Reisenden potentielle Zagora-Besucher ausgemacht. Die Freundschaft war zumindest virtueller Natur geschlossen und auf unsere ersten Marokko-Bilder, die wir posteten, folgte sogleich die Anfrage wann wir ihn denn in Zagora besuchen kämen. Er hätte auch eine Werkstatt in der man 1A Tee trinken kann. Uns kamen Zweifel, weiß man bei einer Einladung zum Tee nie worauf das am Ende hinauslaufen wird … Also erstmal langsam, langsam, immer geradeaus, wie Omar immer so schön sagt!

Wir hatten das Riffgebirge, den Mittleren- und Hohen Atlas hinter uns gebracht und waren nun tatsächlich in der Wüste angekommen. Die ersten 10.000 km nach Abreise waren nun bereits überschritten und es war an der Zeit für einen Service. Filter entstammten noch der Heimat, die hatte Timos Vater uns noch in Tarifa überreicht, das benötigte Öl wollten wir uns hier in Marokko besorgen. Das war dann nun auch die Idee: in die einstige Karavanenstadt und Offroad Mekka Zagora zu fahren, Öl zu besorgen, im Anschluss irgendwo das Auto zu warten und danach ab in die große Sandkiste – dem Erg Chegaga. Schon Tage vorher ergriff uns unsere Städte-Paranoia und die Anfahrt auf Zagora wurde geschickt heraus gezögert bis uns der ausgehende Proviant quasi zum Besuch zwang.

Der Plan sah vor früh in die Stadt zu fahren, das Motoren- und Getriebeöl zu kaufen und Lebensmittel auf dem Markt zu besorgen und schleunigst wieder das Weite zu suchen. Was als eine Tagesmission gedacht war endete als ein Aufenthalt von über einem Monat. Und das kam so …

Kaum waren wir im Herzen von Zagora angekommen überholt uns ein Moped, der Fahrer ne ziemlich bunte Gestalt, die uns sogleich ins geöffnete Fenster ruft: „I know you! I know you! Do you know me, I’m Omar!“ Ja, Omar unsere Facebook-Bekanntschaft. Wir fallen vom Glauben ab! Prompt stehen wir mit ihm am Straßenrand und unterhalten uns heiter. Ob wir etwas brauchen will er wissen, also beginnen wir mit dem Essen-tiellen, Obst, Gemüse, Milch …  umgehend beginnt unsere Tour durch Zagora und wir folgen brav dem lustigen Omar auf seinem Moped.

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Unsere erste Station ist die Markthalle die bereits so ziemlich alle Wünsche erfüllt. Ob wir noch Brot haben wollen? Ja klar, Brot ist gut! Auf zum Bäcker in dem Lisa gemeinsam mit Omar verschwindet und mit einem klasse Erlebnis – einem Reinigungsritual und frischem Fladenbrot wieder raus kommt. Soweit so gut! Ob wir mit ihm in seine Werkstatt kommen wollen um einen Tee zu trinken? Jap, auch der Tee klingt jetzt gut und dann mal checken was die hier so für’s Öl nehmen. Nach dem Tee kommt dann auch der eigentliche Besitzer der Werkstatt, Jaboud, um die Ecke. Omar als Werkstattbesitzer kam uns auch etwas komisch vor.

Wir nehmen also vor Jaboud’s Schreibtisch platz. Das Motorenöl ist preislich identisch mit einem Markenöl in Deutschland, Getriebeöl sogar günstiger. Jaboud kann uns glaubhaft erklären, dass er mit dem reinen Verkauf des Öles kaum einen Dirham macht und würde den Tausch der Öle und Filter gerne in seiner Werkstatt ausführen. Bei dem mehr als fairen Preis für die Wartung, die auch das Abschmieren der Kardanwelle und das Säubern des Luftfilters vorsieht – und ein Ölwechsel und das Tauschen von Filtern irgendwo in der staubigen Wüste vielleicht auch gar nicht so cool ist – entschliessen wir uns den Auftrag zu vergeben. Als das Getriebeöl ausgeht und Nachschub besorgt werden muss versammelt sich die gesamte Mannschaft um einen kleinen runden Tisch, um gemeinsam eine Tajine zu vertilgen. Nicht ohne uns zu fragen, ob wir nicht mitessen wollen. Wie geil ist das denn? Gemeinsam mit seinem Mechaniker eine Tajine zu teilen, zumal es unsere erste überhaupt ist. Da muss man uns nicht zwei mal fragen. Stühle sind Mangelware und trotz des Angebots gesellen wir uns zu den anderen auf den Boden. Nach dem der Service erledigt ist, checkt Jaboud Freitag nochmal auf Herz und Nieren und findet routiniert die Schwachstellen, die in unserem Fall die Radlager vorne und zu schwach ausgelegte Blattfedern hinten sind. Zu guter Letzt wird unser Freitag noch so richtig auf Hochglanz gebracht, eine Autowäsche die man in Deutschland in dieser Form wohl ganz, ganz teuer bezahlen muss. Da werden selbst die Fußmatten und Türrahmen nicht ausgelassen und die Fenster und Armaturen mit Zeitungspapier streifenfrei gesäubert und das alles für umgerechnet nicht mal drei Euro. Hammer! Ebenso wie die Stimmung in der Werkstatt, alle sind mega gut drauf, lachen und scherzen. Und Spätestens als wir Omar unsere Trommel überlassen steppt der Bär und alles klatsch und singt neben der Arbeit.

An Tag 2 besuchen wir Jaboud’s Werkstatt also um unsere Radlager machen zu lassen, zücken gleich den Notizblock, um bei den Profis zu lernen. Die Jungs arbeiten Hand in Hand mit einer zugrunde liegenden Ruhe, die zum einen fasziniert und zum anderen schnell für Vertrauen sorgt. Heute ist es Mohammed, der gemeinsam mit einem Jungspund die Arbeiten ausführt. Resultat nach Demontage, penibler Reinigung, neuem Abfetten und anschließender Montage: Die Lager haben jegliches Spiel verloren, Schach matt! Die Arbeiten an Freitag sind am Abend abgeschlossen, wobei es nun erst so richtig in die Vollen geht. Jaboud kommt mit zwanzig portugiesischen Offroadern im Schlepptau an der Werkstatt an, die allesamt vor ihrem Wüsteneinsatz gewartet werden sollen. Zusätzliche Mechaniker in allen Größen kommen herbeigeeilt und schlüpfen ihn ihre Overalls. Nachdem sich der Lage geschuldet keine freie Minute mit Jaboud ergibt, entschliessen wir uns ein Nachtlager zu suchen und unsere Schulden am Folgetag zu begleichen.

Wiedersehen macht Freude!

An Tag 3 ergibt sich das erste Mal ein längeres Gespräch mit Jaboud. Der Djung ist einfach super cool und ist ununterbrochen am scherzen und irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass wir trotz unterschiedlicher Kulturkreise und einem komplett unterschiedlichen Hintergrund auf gleicher Wellenlänge sind. Wir versuchen unserer Begeisterung Ausdruck zu verleihen und erläutern wie fasziniert wir von seinen Fertigkeiten sind. Sprachlich ist es dabei ein „salad mixed“, wie Omar es immer so schön sagt, ein bisschen Englisch und Französisch und der Rest mit Händen und Füßen und ganz viel Lachen. Nachdem Jaboud nun von unserem Interesse an seinem Beruf weiß, sagt er ganz trocken: „I show you how to be a mechanic and you teach me German!“ Das doch mal nen Deal! Als wir sein Büro verlassen, meint er direkt: „I check if I have a blouse for you.“ Doch angesichts Timos Statur kommen ihm starke Zweifel, dass er einen passenden Overall hat – liegt das Standardmaß doch eher zwischen 1,60 m und 1,80 m. Kein Thema, Timo pellt sich also in seine Arbeitsklamotte und ist wenig später damit beschäftigt Stoßdämpfer an einem Iveco Massif zu demontieren, härter einzustellen und wieder zu montieren. Die anderen Jungs sind derweil damit beschäftigt die Blattfedern aufzuarbeiten und um eine weitere Lage zu verstärken. Währenddessen unterhält sich Lisa mit Hassan, der die zwei Schweizer mit ihrem Iveco durch die Wüste führt. Nachdem Hassan sein Auto komplett geleert hat, da es über Nacht zur Wartung in der Werkstatt bleibt, überreicht er Lisa ein Wüstentuch als Geschenk und zeigt ihr umgehend wie es zu binden ist. Lisa zerbricht sich sogleich den Kopf wie sie sich revanchieren kann. Uns kommt die Idee ein einfaches Armband, aus etwas Kletterseil und einem selbst gemachten Holzknopf aus Treibholz zu gestalten. Während Hassan in der Werkstatt eine Dusche unter’m Wasserhahn nimmt macht sich Lisa also an die Arbeit und kann später das Armband überreichen. An diesem Tag sind wir noch bis spät in die Nacht in der Werkstatt. Bevor wir uns zur Nachtruhe direkt vor der Werkstatt verabschieden, bekommt Timo noch seine Aufgabe für den Folgetag gezeigt. Als Muster dient der Iveco, bei dem auch noch alle Dichtungen der Vorderachse erneuert wurden. Bei unserem Toyota ist lediglich eine der Dichtungen an den Achsschenkeln zu tauschen, da dort Fett aus- und daher Sand womöglich eintreten kann.

Also kommt es auch zum Besuch an Tag 4, an dem sich nun auch Lisa in ihre Arbeitsmontur schwingt, um beim Tauschen der Dichtung zu helfen – was die Jungs sichtlich beeindruckt. Des Weiteren tauschen wir die Servoflüssigkeit. Als Lisa womöglich arbeitslos zu sein scheint kommt Mohammed gemeinsam mit Omar Nummer 2, der als Dolmetscher fungiert, um nach einem Armband zu fragen, dass er bei Hassan gesehen hat. Kaum waren die Armbänder für Mohammed und Omar Nummer 2 fertiggestellt, kamen direkt die nächsten Anfragen und die Massenproduktion wurde gestartet, bis unser spanisches Treibholz komplett in Knöpfe gewandelt war. Sogar die Jungs aus der Nachbarwerkstatt wollten gerne Armbänder haben und erhielten immerhin noch eine abgespeckte Version ohne Knopf. So verging Tag für Tag in Jaboud’s Werkstatt und wir wurden immer mehr Teil dieser kleinen Familie. Gemeinsam Schrauben, Essen und bald waren auch die Arabisch/Berber- & Deutsch/Englisch-Sprachkurse fester Bestanteil unseres Alltags.

Tag für Tag lernten wir dazu und mehr über den krassen Werdegang von Jaboud. Seine Karriere als Mechaniker begann er in jungen Jahren, genau genommen mit Zwölf, in der Werkstatt von Mohammed Gordito. Mohammed Gordito wurde in Zagora nicht nur wegen seines erstklassigen Rufes als Rallyeschrauber verehrt, vielmehr war es auch sein enormes Engagement für Zagora und deren Einwohner, indem er öffentliche Einrichtungen und Bedürftige unterstützte. So war es wohl keine Seltenheit, dass er Kinder mit Materialien für die Schule versorgte und in vielen Fällen für eine schulische Ausbildung sorgte. Bei diesem Mann ging Jaboud in die Lehre und erhielt neben seinen handwerklichen Fähigkeiten auch die Softskills. Ohne Mohammed Gordito je kennengelernt zu haben, hat man das Gefühl, dass das große Herz in Jaboud weiter schlägt, denn dieser hat sich tragischer Weise mit viel zu jungen 35 Jahren das Leben genommen. Die Diagnose nie eigene Kinder haben zu können hat diesen großen Mann gebrochen. Während der Name Mohammed Gordito scharenweise Offroader in die Werkstatt holte, war es die Arbeit des jungen Jaboud, die diesen unterstrich. Dabei war er so fokussiert, dass sein ganzes Dasein das Branding „Mechaniker“ trug. Er arbeitete Tag und Nacht und wohnte direkt über der Werkstatt. Wurden Rallyes von Mohammed Gordito betreut, war auch immer Jaboud mit von der Partie und die Liste ist lang: Maroc Desert Challenge, Africa Race, Rallye Maroc, Lybia Rallye, Mahamid Express, Merzouga Rallye, Africa Clever Cup, Sin Fronterra Challenge und die Santana Trophy.

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Nach dem Tod von Mohammed Gordito kam es dann zu Erbstreitigkeiten in der Familie und die Nachfolge gestaltete sich lange Zeit schwer. Um in dieser verworrenen Geschichte nicht unterzugehen entschliesst sich Jaboud 2015, mit gerade mal 25 Jahren, seine eigene Werkstatt zu eröffnen. Dabei bricht er aus der Linie der Familie aus, die über Generationen in der Textilbranche arbeitete. Er nimmt zwei seiner Brüder, Abdul und Aziz, Mohammed, Omar Nummer 2, Abdsamad und Sufian mit an Board. Dass die Jungs mehr als nur Kollegen sind merkt man sofort. Jaboud vermittelt seine Arbeitsphilosophie auf Augenhöhe, das Teilen seines Wissens und die Gemeinschaft sind ihm unfassbar wichtig. Jeder zieht mit und so sind die Jungs auch noch zum Scherzen aufgelegt wenn die Nacht durchgearbeitet wurde. Und auch der „normale“ Arbeitstag ist lang, beginnt er um 8 Uhr morgens und endet nicht vor Mitternacht. Die Konkurrenz in Zagora ist hart, boulen doch 4 Werkstätten um die Gunst der ausländischen Offroader. Dennoch ist Jaboud bemüht Kunden auf charmante Weise zu gewinnen und durch seinen Spitzenservice zu binden. Es gibt nichts was er an einem Geländewagen nicht hinbekommt „makan mushkil“ – kein Problem, alles ist möglich! Dies stellt er regelmäßig unter härtesten Bedingungen auch in der Wüste unter Beweis. Sollte die Reparatur am Ort des Geschehens nicht möglich sein, wird der Patient in der Werkstatt in Zagora weiterbehandelt. Der Bereitschaftsdienst gehört zum Serviceumfang, egal wann das Telefon klingelt, oder ob der Arbeitsort Zagora, Mahamid, Erg Chegaga, Iriki, oder … heisst.

Jaboud’s Ziel ist gesteckt, bester Offroadmechaniker Marokkos zu werden! Der Ehrgeiz, der ihm zu seiner eigenen Werkstatt verhalf und diverse Sprachen, trotz kurzer schulischer Ausbildung, zu lernen (Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Italienisch, ein wenig Englisch, Deutsch und Niederländisch), wird ihn am Ende womöglich auch dieses Ziel erreichen lassen.

An Tag 7 ist dann auch unsere Entscheidung zu einer zusätzlichen Lage Metall in unseren Blattfedern gefallen. Bei der De- und Montage können wir wieder helfen. Das Anpassen der Blattfedern mit dem zentnerschweren Hammer bleibt hingegen in geschulter Hand. „That’s like being in a fitness center, for free!“, scherzt Jaboud, während er den Hammer schwingt. An diesem Tag verbringen auch wir auch die erste gesamte Nacht in der Werkstatt und dürfen uns wie zu Hause fühlen, nicht weil soviel Arbeit herrschte, sondern weil unsere total verbogenen U-Bolzen der Blattfedern ersetzt werden müssen. Da diese in Zagora nicht aufzutreiben waren kommen sie kurzerhand am nächsten Tag mit dem Taxi aus dem 160 km entfernten Ouarzazate – Marokko halt, „makan mushkil“, alles kein Problem.

Nachdem dann alles wieder montiert ist, geht’s für Jaboud und Timo auf Testfahrt: „Wir streifen durch Zagora und finden im Randbezirk eine Schotterpiste die zum Blattfedertest taugt. Der schroffe, steinige Untergrund weicht bald Sand, „small sand“ wie mir Jaboud zu verstehen gibt. Naja, auf alle Fälle ganz schön sandig – was Jaboud nicht daran hindert ordentliche Furchen und geschmeidige Linien, ohne Allradbetrieb, zu hinterlassen. Ich zeige mich beeindruckt: „Just in 2wheel, impressive!“, Jaboud: „That’s normal. You want to try?“. Also spielen wir Reise nach Jerusalem und ich nehme auf dem Fahrersitz platz. Wir drehen eine Runde, um wieder Kurs auf die sandige Passage zu nehmen. Bis zur Hälfte bringe ich es, bevor ich den Karren im Sand versenke. Die Anfänger … Es dauert ne ganze Weile bis wir Freitag wieder geborgen haben. Der Sand war zwar Klein aber ganz schön weich und nachdem Luft ablassen nicht für das Freischaufeln sorgte, kam Aziz auf einmal aus dem Nichts mit einigen Teppichen um die Ecke. Teppich ersetzt Sandblech und setzt Freitag wieder auf freien Fuß. Die Pflicht ruft, „imshi, imshi“ und wir machen uns wieder auf den Weg in die Werkstatt. Jaboud: „Later the Boys take you out to the small sand again and show you how to drive!“

The Boys, wurden dann durch unseren Lieblings Chefmechaniker ersetzt und wir machten uns zu dritt auf den Weg zum kleinen Sand. Das Gelände für Runde Zwei war nun mit deutlich mehr kleinen Sanddünen gespickt und Jaboud gab ein weiteres Mal Anschauungsunterricht vom Feinsten. Den Motor schön auf Drehzahl halten + Lenkbewegungen im tiefen Sand + Erfahrung seit Kindesalter und man kommt im Zweiradbetrieb über jede Düne. Wir kamen uns vor wie bei der marokkanischen Version des Christian Danner Fahrsicherheitstraining, in der Jaboud die Rolle des Rallyeprofis einnahm. Als erstes geht’s für Timo hinter’s Steuer, der an Sanddüne drei den Toyo zum Stillstand zwingt. Wieder Ende! Die Bergungsaktion übernimmt der Routinier mit Timos Unterstützung, dessen Aufgabe darin besteht den Toyo aufzuschaukeln, so dass sich ein Sandpolster unter dem Reifen bildet und er sich schlussendlich wieder ausgräbt, während Lisa alles mit der Kamera festhält. Danach geht’s erstmal ganz gut. Doch alles hat seine Grenzen, die Timo ein weiteres Mal von einer Düne aufgezeigt bekommt. Jaboud trägt es mit Fassung. Diesmal hat sich Timo auch ein ganz besonders schönes Exemplar ausgesucht, da hilft auch kein rütteln und schütteln mehr. Auch unsere Sandbleche alleine reichen nicht aus, erst im Zusammenspiel mit unserem Wagenheber gelingt die Bergung. Jaboud zieht wieder gekonnte Linien in den Sand die uns an ein Berberzelt führen. Wir spülen uns mit Wasser den Sand aus den Kiemen und werden hereingebeten zum Tee. Tee geht immer, der Berberwhisky, wie er hier genannt wird. Während Jaboud noch bleibt schickt er uns wieder zum Spielen in den Sandkasten, wir sollen ihn einfach abholen. Und mit dem Whisky intus läuft’s wie geschmiert, keine Patzer mehr. Nun fordert auch Lisa ihren Platz am Lenkrad ein und macht die Prüfung – nach soviel Anschauungsunterricht, so wird’s nicht gemacht – mit Bravour! Als wir Jaboud wieder einsammeln ist der am feiern und freut sich wie blöde. „Shuir, shuir“ – Schritt für Schritt, fahren wie Jaboud! Jaboud attestiert uns, dass wir nun bereit für den großen Sand sind und das Fahren von großen Sanddünen ohnehin leichter sei.

Zurück an der Werkstatt können wir erstmal unser Auto auskippen, so viel Sand wie wir eingesammelt haben! Wenn das mal ginge wie bei den Spielzeugautos von damals … Wir nehmen Besen und Luftdruckpistole zur Hand. Das Fahren im Sand hat mega Laune gemacht und war gutes Training.

Am Abend werden wir von Abderahim, Jabouds Neffen, zu einem Kurzcampingtrip vor den Toren Zagoras eingeladen. Dort trifft er sich mit Freunden von denen einige Urlaub vom Stadtleben in Marrakech machen wollen. Es wird eine ziemliche lustige Nacht, in der wir eine obligatorische Tajine und Tee auf dem Feuer kochen, Karten zocken, Musik machen und singen. Legendär!

Nach dem gemeinsamen Frühstück verabschieden wir uns wieder in die Werkstatt.

An diesem Tag offenbart uns Jaboud, dass er eine Woche lang nicht in Zagora sein wird, da er die Santana Trophy als Chefmechaniker betreut und fragt uns, ob wir nicht Lust haben ihn und das Mechanikerteam zu begleiten. Letzten Endes sind wir mitgefahren und konnten einen Blick hinter die Kulissen einer Rallye werfen. Doch das ist eine andere Geschichte, die ihren eigenen Beitrag verdient … Nur so viel sei gesagt: wir hatten eine wahnsinns Zeit, die auch wahnsinnig anstrengend war! Am Ende waren wir alle froh wieder in Zagora zu sein. Und nachdem wir uns eine verdiente Portion Schlaf und entschleunigte Tage gönnten „Relaxx Maxx“, hatte uns der zagorianische Alltag wieder.

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Schlafen vor den Toren Zagoras, unweit von einem Brunnen für unsere Trinkwasserversorgung und eine Dusche von Zeit zu Zeit, Frühstücken, Fahrt nach Zagora, Tee mit Omar im Café von Issam (Restaurant of Pizza), Besuch beim Bäcker und ab in die Werkstatt.

Omar (Sansibu) war froh, dass wir wieder in Zagora waren, hatten wir doch schon mit dem Gedanken gespielt aus Ouazazarte weiter Richtung Atlantik zu fahren. Nachdem wir wegen zu viel Sand bei der Santana Trophy, Omars Angebot ausschlugen, eine Wüstentour mit ihm zu machen – das ist nämlich sein eigentlicher Job, geführte Camel bzw. 4×4 Touren in die Sahara – machten wir zumindest einen Tagesausflug mit ihm. Wir besuchten die Wassermelonenfarm seiner Familie, war doch gerade Hochsaison und Erntezeit. In Zagora und Umgebung drehte sich gerade alles um die süße Frucht und unzählige ausländische Einkäufer waren vor Ort um die Ware zu begutachten. Es war krass zu sehen, dass eine so wasserintensive Pflanze mitten in der Wüste angebaut wird. Ohnehin gewinnt man hier, beim Nutzungsverhalten von Wasser, nicht den Eindruck, dass ein Mangel herrscht – was selbstverständlich falsch ist. Auf der Farm gibt es zwei riesige Wasserbecken in die Wasser aus 60m Tiefe gepumpt wird, um es von dort auf die Felder zu verteilen. Wir bekommen Wassermelone satt und ein 15kg Exemplar als Souvenir. Die reinste Geschmacksexplosion! Auf dem Rückweg nach Zagora, halten wir dann noch an der Farm eines Freundes. Da der Tee gerade aus ist, gibt es nochmals Wassermelone, juhu! Spätestens jetzt hatten wir das Gefühl, dass unsre Körper nun zu 100 Prozent aus Wasser bzw. Wassermelone bestehen! Zur Abwechslung bekamen wir noch eine Hand voll Aprikosen. Zurück in Zagora, gab es den üblichen Abendtee – Prost „bisaha“, im Café von Issam (Restaurant of Pizza). Zum Nachtisch gab es … Ihr dürft raten … Dlah, was arabisch für Wassermelone ist! Die üblichen Teeabende enden mit dem Schließen Issam’s um ca. 01:30 Uhr. Dann heisst es Laila Saida, gute Nacht!

Omars zusätzliche Rolle als Schlepper für Jabouds Werkstatt wird nun auch uns zu Teil. Hin und wieder nimmt Jaboud uns mit, um deutsche Offroadreisende in seine Werkstatt zu lotsen. Das gelingt mal mehr, mal weniger. Wobei wir, wie auch Jaboud selbst, einen lockeren Umgang mit den möglichen Kunden wahren. Andere Werkstätten hingegen gehen da deutlich aggressiver vor und das erstaunlich erfolgreich. Der Run auf neu ankommende 4×4 Fahrzeuge wird von Vorposten in der Wüste per Telefon bekanntgegeben und nicht selten machen sich die verschiedenen Werkstätten auf den Weg, um die Neuankömmlinge schon vor Zagora abzufangen. Spätestens in Zagora hängen dann diverse Werkstätten mit Autos und Mechanikern auf Mopeds an der Stoßstange der potentiellen Kunden. Teilweise kommen auf wenige Fahrzeuge eine Vielzahl von Mechanikern, „big Mafia“. „That’s just crazy, habil“, sagt Jaboud! So viel Sprit, der verfahren wird. Und am Ende heisst es oft, außer Spesen nichts gewesen! Er würde aus diesem irren Spiel gerne aussteigen, weiß aber nicht wie, ohne als Verlierer dazustehen. Dann käme nur noch die Stammkundschaft und das reicht nicht um die gesamte Familie und die Werkstatt zu finanzieren. Und ohnehin ist das Werkstattbusiness in Zagora zu dem noch ein Saisongeschäft, da von Juni bis Oktober die Offroader aufgrund brutaler Hitze ausbleiben. Wir sind daher froh, dass wir einige Male erfolgreich sind, Kunden für Jaboud gewinnen können und für uns nette Kontakte dabei rausspringen. Unsere Freude wird allerdings nicht von jedem geteilt, der Chef der Werkstatt Iriki findet die deutsche Unterstützung für Jaboud gar nicht witzig und meint wir würden ihm die Kunden klauen. Seinen Unmut bringt er mehrfach gegenüber Jaboud und Omar zum Ausdruck, die ihrerseits ihre schützenden Hände über uns halten. Spätestens jetzt haben wir das Gefühl ein Stück weit zum lokalen Geschehen dazuzugehören.

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Doch trotz dem ganzen Mafia-Tam-Tam merken wir, dass die Auftragslage bereits jetzt deutlich dünner wird und wir kaum noch beim Schrauben unterstützen können. In einer dieser ruhigeren Phasen machen wir uns nochmal an Freitag zu schaffen. Der alleinige Tausch der Dichtung am Achsschenkel war leider nicht ausreichend und es trat weiterhin Fett aus. Jaboud empfiehlt uns in diesem Zug alle Dichtungen der Vorderachse zu tauschen und findet noch zwei kleine Risse an der Achse, nahe des Differentials. Dies sei typisch erklärt er, da das Differenzial nicht mittig der Achse sitz und so die Kräfte ungleichmäßig auftreten und es schlimmsten Falls zum Achsbruch kommen kann. Wir entschließen uns für die ein für alle mal Ruhe Variante, eine verstärkte Vorderachse. Der Toyo wird untenrum nackig gemacht und nachdem auch die Vorderachse komplett raus ist schwingt sich Jaboud mit der Achse und klein Gubi als Gegengewicht auf einen Roller und weg sind sie … zurück bringen sie unsere neue Achse, die an der Unterseite massiv verstärkt ist. Nun machen wir uns daran das Puzzle wieder zusammen zu setzten. Es ist Lehrtag, nicht nur für uns. Abdsdamah bittet Lisa die Arbeit mit Fotos zu dokumentieren, ihm steht bald seine Abschlussprüfung bevor und er möchte dieses Projekt gerne Verwenden. Langsam, Schritt für Schritt setzen er und Aziz mit Timos Assistenz alles wieder zusammen. Die Arbeiten nehmen deutlich an Geschwindigkeit auf, als Jaboud das Ruder übernimmt. Hier merkt man, dass er jeden Handgriff beherrscht und unfassbar routiniert ist. Am Abend steht der Toyo wieder sicher auf allen Vieren. Am Folgetag widmen wir uns noch den Radlagern der Hinterachse, eines muss ersetzt werden, die anderen drei reinigen wir gründlich, fetten alles neu ab und montieren sie wieder.

Nachdem Jaboud und seine Jungs so viel für uns getan haben, sind wir mal dran! Wir machen uns daran Jabouds Werkstatt auf Googlemaps, Maps.me und I-Overlander zu verzeichnen und bitten Kunden Rezessionen zu hinterlassen. Da sich sein Logo bzw. seine Sticker nicht von denen Mohammed Gordito’s unterscheiden, machen wir uns daran Neue zu entwerfen. Es war schon lustig diese Phasen von der Zeichnung bis zum endgültigen Design nochmal durchzugehen und man fühlte sich in die Zeit versetzt, in der es um unser eigenes Logo ging.

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Wie schon bei den Armbändern hagelte es im Anschluss weitere Anfragen und so machten wir noch Tripadviser- und Googlemaps-Einträge für Issams Café und Omars Wüstentouren und entwarfen für Omar auch noch ein Logo.LOST TRACK Reiseblog Afrika Marokko Sahara Wüste Offroad 4x4 Toyota Landcruiser HZJ78 Garage Jaboud Challenge Zagora Vanlife Wassermelone Caravane Amazigh Trekking Omar Amdiaz Logo Design

 

 

Zu guter Letzt hatten wir noch eine Idee, die Gestalt annehmen sollte. Wir wollten einen Fotorahmen für Jaboud und seine Jungs bauen und bestücken. Als Material kam wieder Mal Treibholz zum Einsatz, wobei dies nicht reichte und mit Holz aus der Wüste gepaart wurde. Am Ende ein gelungenes Stück, das eine sehr, sehr spezielle Zeit dokumentiert, die für immer unvergesslich sein wird!!! Ein Souvenir von den Touris für die Locals.

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Am Ende war es die beste Entscheidung den Ölwechsel von Jaboud machen zu lassen, so gewannen wir aus einem schnöden Werkstattbesuch eine marokkanische Familie. Zu gehen tat weh, doch wir gehen mit der Zuversicht, dass wir uns irgendwann einmal wieder treffen, inshallah.

Wie alles begann so endete es auch – mit dem guten Omar. Wir trafen uns ein letztes Mal in der City und er überzeugte uns nochmal mit zu sich nach Hause zu kommen, eigentlich nur auf einen letzen Tee … selbstverständlich blieb es nicht bei diesem und so bekamen wir noch einen frisch gepressten Orangensaft mit Gurke – ober lecker und sehr erfrischend – Couscous von seiner Mama und zum Nachtisch, wie sollte es auch anders sein, Dlah – Wassermelone! Omar versucht uns nochmals zum Bleiben zu überzeugen, verspricht Lisa ein Babykamel, Timo einen fliegenden Teppich und das Haus im Palmengarten. Doch es ist Zeit, auch wenn es wehtut. Adé Zagora …

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