Marokko schockt!

LOST TRACK Reiseblog – Marokko / Hoher Atlas

Wir sind nun so ziemlich genau eine Woche in Marokko und es fällt verdammt nochmal schwer, die in der Kürze der Zeit, gewonnenen Eindrücke zu verarbeiten. Es sind schlicht zu viele! Schon daher hat dieser Text therapeutischen Charakter. Es muss raus! Dieses Land ist viel zu groß und zu vielseitig als das es in eine der uns bekannten Schubladen passt. Für uns ist es das erste Reiseziel in dem der westliche Einfluss etwas geringer ausfällt. Und wenn aus dem großen W auf einmal ein kleines w wird, stellt einen das schonmal vor neue Herausforderungen. Wir versuchen also dieses sperrige Land zu zerlegen und uns den marokkanischen Knigge Stück für Stück zu erarbeiten. Und das ist mal richtig spaßig und lässt einen das ein oder andere Mal durchdrehen und vor Freude schreien!

Doch schön der Reihe nach … Unsere Reise auf den afrikanischen Kontinent würden wir aus der südspanischen Hafenstadt Algeciras starten und die Fähre uns wieder auf spanischem Boden in Ceuta, einer Enklave, ausspucken. Unser Fährticket haben wir am Ende beim weltberühmten Carlos gekauft, der eine kleine Ticketbude am Rande Algeciras betreibt. Seine Preise sind dabei unwesentlich günstiger als die der Konkurrenz. Gibt am Ende der Kuchen und die Flasche Wein, die es zum Fährticket gibt, den Ausschlag, dass ein Großteil der Marokkoreisenden ihr Fährticket bei Carlos kaufen? Man weiß es nicht so recht. Wir werden nicht vom Chef selbst bedient, aber dieser versuchte sich um unser Wohlergehen mit Schokorolle und Snaps zu sorgen. Den Schnaps lehnen wir dankend ab, gegen den zuckersüßen Schokokuchen können wir uns hingegen nicht mehr wehren. Am Ende haben wir unsere Tickets in der Tasche und wir fahren zum nächtigen einen Stadtstrand Algeciras an.

Den nächsten Vormittag wollen wir nutzen um unseren Aufenthalt in Marokko in geregelte Bahnen zu bringen, um dann die Fähre am Nachmittag zu nehmen. Erste Haltestelle ist eine Apotheke in der wir unseren Vorrat an Antibiotika, das in Spanien frei verkäuflich ist, auffüllen wollen und schauen ob wir ein pflanzliches mittel Namens Coratem, das gegen Malaria eingesetzt wird, bekommen. Zweites bekommen wir nicht. Weiter geht es zu einem Copyshop in der Stadt um Fiches, eine Auflistung von Pass- und Fahrzeugdaten, die bei diversen Militärposten in der Westsahara nützlich sind, zu drucken. 20 Stück für 16 Militärposten, sollte hoffentlich passen. Bei der Gelegenheit lassen wir uns gleich noch eine Kopie von unserem Fahrzeugschein machen. Nun ist der Nachmittag bereits angebrochen und es erscheint uns viel zu stressig jetzt noch zur Fähre zu hasten, gilt unser Fährticket doch innerhalb eines Jahres für 4 Fähren täglich. Wir steuern einen anderen Stadtstrand an, um uns zu stärken, Wasser aufzufüllen und zu duschen.

Am folgenden Tag sind wir auf der 14 Uhr Fähre und anderthalb Stunden später in Ceuta. Hatten wir zuvor im Internet von Grenzdebakeln gelesen, bei denen die Abwicklung Stunden gedauert hat, bzw. Leute vor dem Grenzposten übernachten mussten, entschieden wir uns noch eine Nacht in Ceuta zu bleiben und einen frühen Vogel am nächsten Tag zu machen. Der Vogel war dann recht ausgeschlafen und wir gegen 11 Uhr an der Grenze. Die Formalitäten dauerten keine halbe Stunde. Wir waren die Gewinner! Uns gegenüber standen unzählige Verlierer, die sowohl von spanischen als auch von marokkanischen Grenzern zurück nach Marokko geschoben wurden. Massen an Menschen drängten sich in einem Betonkorridor, der mit seinen Gitterstäben wie ein schlauchförmiges Gefängnis wirkte. Gefangen im eigenen Land, dass ist das Schicksal so vieler Menschen. Diese Bilder haben sich in unsere Köpfe gebrannt und ließen uns mit einem Gefühl der Schuld zurück, sind wir es doch die sich ungehindert und frei bewegen können. Dieses Glück sollte doch bitte jedem Menschen zu Teil werden!

Die ersten Kilometer nach der Grenze führten uns auf gut asphaltierten Straßen durch großzügig angelegte Touristenorte bevor wir bei Tetouan ins Landesinnere stachen. Kurz vor der eigentlichen Stadt fuhren wir ein Einkaufszentrum an, wie man es auch in Frankreich oder Spanien findet. Der obligatorische Decathlon war auch von der Partie. Hier konnten wir bequem Geld abheben, Einkaufen und uns mit einer marokkanischen Sim-Karte wieder mobil machen. Wir fuhren noch ein wenig unserem ersten Ziel Chefchaouen entgegen bevor wir uns dem verdienten Feierabend hingaben. Ein Plätzchen fanden wir zum Fuße des Riffgebirges am Rande eines Flussbettes. Lisa meinte noch: „Flussbett ist nicht gut“, die Lektion hatten wir ja bereits in Australien gelernt. Und es kam wie es kommen musste, am folgenden Morgen mussten wir zur Hauptstraße einen steigenden Bachlauf durchqueren. Unser Retter stand schon in Kaftan und Schlappen bereit und zeigte uns mit Gesten was uns hätte blühen können, hätten wir für länger unser Lager aufschlagen wollen. Er wollte seine treuen Dienste gerne bezahlt haben, hatte er bei unserer Durchfahrt doch gewunken und gepfiffen. Letztlich war er mit unserem Dank und einem Handschlag zufrieden und hatte ein Lachen für uns übrig. Sehr schön, so läuft das doch! Der gesamte Tag war dann total verregnet, so dass wir unser Date mit der blauen Stadt, Chefchaouen, nicht antraten. Stattdessen machten wir den ein oder anderen Kilometer in den Süden und befanden uns umgehend im berüchtigten Riffgebirge, der marokkanischen Hochburg des Drogenanbaus und Umsatz. Da wir uns fernab der Hauptstraßen bewegten waren die Versuche uns Haschisch anzudrehen doch an zwei Händen abzuzählen. Ein Händler hat uns aber doch beeindruckt, indem er uns so einige Kilometer folgte um zu einem Geschäftsabschluss zu kommen. Pustekuchen! Wenn er die Spritkosten dem nächsten Kunden in Rechnung stellt, ist sein Preis mit Sicherheit nicht mehr konkurrenzfähig. Auch das Riffgebirge lief für uns also äußerst unproblematisch ab.

Die Landschaft passte hier nicht zu dem Bild was man so von Marokko hat. Es war unfassbar grün und für uns wirkte die Landschaft fast schon asiatisch. Unser Weg führte uns von Bab Taza bis zu einem Stausee auf der Höhe von Rhafsai. An der Asphaltstrecke hatte der Zahn der Zeit eindeutig genagt und so war die Straße mit Schlaglöchern gespickt. An einem Canyon mit Wasserfall übernehmen wir den Parkplatz von einem französischen Pärchen im Landrover. Wenige Augenblicke später gesellt sich ein Lastwagen mit drei jungen Marokkanern zu uns. Zwei springen aus dem LKW und machen Selfies vor der wahnsinns Kulisse. Dann sahen sie Timo. Ging er davon aus ein Bild von den zweien machen zu sollen, waren die beiden alleine an einem Bild mit Timo interessiert. Leicht irritiert und belustigt werden die Bilder gemacht.

Jeder Kilometer im Auto bringt soviel verschiedene Eindrücke. Meist sind es alte Mercedes Limousinen und 207er, „Le Grand Taxi“ die uns entgegenkommen. Neben der Landschaft sind es die Alltagsszenen die einen fesseln. Kleine Straßenmärkte beispielsweise von denen Besucher mit nur einer handvoll Fisch von Dannen ziehen.

Unser Weg führt uns weiter in die Berge in den mittleren Atlas. Der Ifrane Nationalpark ist das erklärte Ziel. Dieser Region konnte man anmerken, dass sie finanziell stärker war. Man sah neuere Fahrzeuge und statt Kaftan, sah man Leute in für uns vertrauter Garderobe. Wir erklimmen die ersten Pässe des mittleren Atlas und sehen marokkanische Familien bei der Schneeballschlacht, alles wie daheim. Der Skiclub Ifrane sieht dann doch etwas anders aus. Auf der einen Straßenseite die Piste, auf der es mit allerlei Gerät den Hang runter geht. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sieht man ein ähnlich buntes Treiben. Es wirkt wie ein Flohmarkt mit der Spezialisierung auf Wintersport. Man kann Schlitten – Kiste auf eingekürzten Skiern -, Skier oder Snowboards leihen. Dabei haben die, gegenüber den Neufahrzeugen, wieder Oldtimercharackter.

Unweit von dem „Skigebiet“ treffen wir dann auf die ersten Berberaffen, für die es am Straßenrand von allerlei Leutchen Futter zu kaufen gibt. Dafür macht der Affe dann brav mit. Wir halten kurz, lassen die Kulisse auf uns wirken und fahren. Ab hier biegen wir ein in eine schlecht asphaltierte Strecke, die schnell in eine Schotterpiste übergeht und fahren durch eine 1A -Winterlandschaft, bei der man direkt „driving Home for Christmas“ auf den Lippen hatte. Nach diversen Kilometern durch dichten Wald treffen wir dann auf die eigenwilligen Verwandten der zuvor gesehen Berberaffen. Ein gesamtes Rudel tollte durch den Wald, warte dabei aber sicheren Abstand zu uns, als Schaulustige. Eine ganze Weile stehen wir vor dem Auto und beobachten das Geschehen, bevor uns die Kälte in die Knochen fährt und wir weiter.

Bald darauf kommen wir an einem Gebirgssee, der rot eingefärbt ist, an. Die Straße endet hier ganz eindeutig. Wir entscheiden uns für den Weg entlang des Sees. Am Ende von diesem ist ein kleiner Fluss ohne weiteres passierbar und es geht zurück in den Wald, wobei es sich dieses mal nicht um nadelige Vertreter handelt und ihre Größe recht eindrucksvoll ist. Wir entscheiden uns zu bleiben und machen ein Lagerfeuer. Dies in die Gänge zu bekommen, wäre ohne benzingetränktes Papier, wohl nicht gelungen. Das Holz war durch den Schnee noch viel zu feucht. Eigentlich fängt Camping ja erst mit einem richtigen Lagerfeuer an und passend dazu gibt es dann auch ein richtiges Cowboygericht: Bohnen mit Kartoffeln auf dem Feuer gekocht und dazu Brot gebacken auf dem Grill! Yeeha!

Am folgenden Morgen kübelt es mal wieder, also ist direkt Abfahrt angesagt. Aufsitzen! Wir folgen der Schotterpiste tiefer in den Wald, laut maps.me, die App die wir in diesem Falle für die Navigation nutzen eine Abkürzung, um wieder auf unsere Hauptroute zu kommen. Nachdem sich der Wald lichtet und wir der Schotterpiste weiter folgen ist plötzlich Ende. Die Piste würde in der Theorie direkt durch einen See führen, der augenscheinlich nicht zur Durchfahrt taugt. Das sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir einer alten Straße folgen, die uns nicht an das gewünschte Ziel bringt. Um eine Alternative zu finden steigt Timo aus dem Auto zur Erkundung, um wenige Meter später seine Turnschuhe im Matsch zu versenken und nur noch auf Socken wieder herauszukommen. Trotzdem versucht er unbeirrt seine Mission zu erfüllen. Auf dem Rückweg trägt er zusätzlich zu seinen Socken die Turnschuhe im Naturlook in seinen Händen. Ergebnis: Hier geht’s nicht weiter! Ahso … Aber weiter oben scheint eine sichere Umgehung zu verlaufen, die wir sogleich probieren. Als uns dann auch noch ein Einheimischer aus einiger Entfernung zu verstehen gibt, dass es dort lang geht, fühlen wir uns bestätigt. Und ja, nach ein wenig Herumgekurve kommen wir wieder auf die von uns verfolgte Strecke. Nach dem Schlamassel sah der nächste Stop, das Säubern der Füße im Restschnee vor. Wer sich solidarisch mit seinem Auto zeigt, muss da durch! All seasons …

Unser Weg durch den mittleren Atlas führt uns auf schlechten Straßen, Schotterpisten und reinem Schlamm durch vielfältige Landschaft, deren verbindendes Element Wasser war. Von oben kam die meiste Zeit so viel, dass die Sicht doch deutlich eingeschränkt war und uns somit leider die gesamte Schönheit der Region vorenthalten wurde. Was wir zu Gesicht bekamen waren begrünte Berge, recht karge Stein- und Geröllfelder zwischen den Höhenlagen und rot-schlammige Landschaften, die auf grüne Patches trafen. Fantastisch! Egal auf welchem Untergrund man unterwegs war, so ergossen sich auch immer Bachläufe über die Straße, die sich in den Tälern sammelten um sich dort als geballte Wassermassen weiter ihren Weg zu bahnen. Nicht ohne an der ein oder anderen Stelle eine Brücke ihrer Funktion zu berauben. An diesem Tag brachten wir es an den Fuß des mittleren Atlas mit Ausblick auf den schneebedeckten hohen Atlas, unserem nächsten Gegner.

Am Folgetag machen wir unseren ersten Marktbesuch vor den Toren Zeida’s. Es ist ein eher kleiner Markt, aber auch der hat es in sich. Vielfalt und Farben trifft man auch hier. So findet man den Schuhmacher, den Scherenschleifer, den Textilhändler, einen Töpfer, einen Imker, Kleinwarenhändler, diverse Obst- und Gemüsehändler, Gewürzhändler, Metzger und sogar einen Popkornverkauf. Dabei kommen 90% der Waren ohne Verpackung aus. Auch Plastiktüten gibt es hier nicht, stattdessen erhält man dünne Stoffbeutel für seine Ware. Unser erstes Ziel ist ein älterer Gewürzhändler, bei dem wir schwarzen Pfeffer, Erdnüsse und Sesam kaufen. Er ist extrem freundlich und versucht trotz Sprachbarriere alles zu erläutern. Tiefer im Marktinneren kaufen wir dann noch Obst und Gemüse und versuchen dies bei möglichst verschiedenen Händlern zu tun. Wir fühlten uns im Marktgeschehen erstaunlich wohl und hatten nicht das Gefühl, dass wir hier anders behandelt wurden als der Marokkaner (wobei es den Marokkaner natürlich gar nicht gibt!). Auf unserem Rückweg kam auf einmal ein kleines Mädchen auf uns zu, lass sie 5 oder 6 gewesen sein, und hielt schüchtern Lisa ihr zartes Händchen entgegen. Nach dem Shake-Hands lief sie stolz wie Oskar zu ihrer älteren Schwester zurück. Dies sind die kleinen Momente einer Reise, die unbezahlbar sind.

Nach dem Marktbesuch können wir dann bei einem Einheimischen Infos über die Fahrt durchs hohe Atlasgebirge auf einer Nebenstrecke einholen. Er hält sie trotz Schnee, angesichts unseres Fahrzeuges für passierbar. Wir beschließen es zu wagen und uns die Option auf eine 4×4 Piste offen zu halten. Als wir dann bei dem Abzweig zum Cirque de Jaffar ankommen und wir bis hierher auf keinen Schnee trafen, wählen wir diese kürzere aber anspruchsvollere Strecke, kommen aber nicht recht weit. Nach einigen Kilometern treffen wir auf ein paar Jugendliche die uns den Weg durch ein steiniges Flussbett weisen. Auf der anderen Seite angekommen geht es dann steil bergauf und dies auf schmalen Pfad. Kaum einige Meter bewältigt kommt ein Mädchen angerannt um uns zu warnen, dass diese Strecke versperrt ist, sie aber eine Alternativroute kennt. Im ersten Moment sind wir unschlüssig ob wir es nicht doch probieren sollten. Unsere benötigte Bedenkzeit reicht aus, dass auch die drei Jungs an Ort und Stelle sind. Diese sind der Meinung, dass die Strecke passierbar sei und sie uns führen könnten. Schlussendlich schenken wir dem Mädel unser Vertrauen, was jetzt nicht dazu geführt hätte, dass die drei Jungs nicht weiterhin ihre Dienste anbieten wollten. Zwei von ihnen besetzten also das Trittbrett der Beifahrer- und einer das der Fahrerseite. Das Mädel fand auf Lisas Schoß Platz. Mit der gesamten Besatzung galt es nun, bei schlechter Sicht im Rückspiegel, rückwärts und bergab ein Wendemanöver im Flussbett zu fahren. Doch es gelang, wenn es auch ein wenig Zeit bedurfte. Die Alternativroute führte uns nun komplett durchs Flussbett in ein enges Tal in dem ganz zufällig auch die Familie des Mädchens ihr Haus hatte. Bei der doch etwas unsanften Durchfahrt kam es weder zum Verlust noch zur Verletzung eines Kindes. Bei der Anfahrt zu den Häusern ist die gesamte Familie versammelt und wir werden hier erneut zum Verweilen und einem Tee eingeladen. Wir lehnen dankend ab und fragen nur noch mal nach dem weiteren Verlauf der Strecke. Es kostet einige Mühen die Weiterfahrt alleine anzutreten, will doch keiner so recht loslassen. Wir holpern also weiter über Stock und Stein mit ernüchterndem Ergebnis, dass sich das Tal am Ende gabelt und keiner der Wege hier raus führt. Und glaubt uns wir haben es probiert! Nun begriffen auch wir dämlichen Touris worauf das Ganze hier abzielte und was sollten wir uns auch weiter gegen einen Tee wehren. Bei der Rückkehr gab man sich ganz verwundert, dass wir es nicht geschafft hatten, waren wir doch in einem Geländewagen unterwegs.

Was nun folgte war so so ziemlich das Highlight unser bisherigen Zeit in Marokko. Wir waren hier irgendwo in der Wallapampa und betraten zum ersten Mal den Lebensraum der hier wirklich einfach lebenden Menschen. Das Haus bestand komplett aus Naturmaterialien. Ein Ständerwerk aus Holz, das mit Lehm und Stroh verfüllt war. Wir wurden ins Innere durch einen schmalen Flur geführt. Die Augen hatten ein wenig Mühe sich an die fahlen Lichtverhältnisse zu gewöhnen, nahmen aber sogleich ein blau leuchtendes Handy war, das zum Laden angesteckt war. Wir betraten das Wohnzimmer das nicht möbliert und lediglich zur Hälfte mit Teppichen ausgelegt war. An der Stirnseite, in der Ecke, befand sich ein kleiner metallener Ofen, der einen im nu die kalten Außentemperaturen vergessen ließ. Die Decke war mit Holzbohlen vertäfelt. Der Raum hatte lediglich ein kleines Fenster, das eher einer Schießscharte glich. Trotz oder vielleicht gerade wegen der einfachen Ausgestaltung, strahlte der Raum eine unfassbare Ruhe und Gemütlichkeit aus. Und wider der Vorstellung der Boden müsste kalt sein war dieser angenehm warm. Während wir versuchten uns ein wenig auf Französisch mit dem Mädel zu verständigen, machte sich die Mutter an die Zubereitung des grünen Tees. Dabei trug sie ihren Jüngsten im Tuch auf dem Rücken. Wir erfuhren dass unsere Lotsin 10 Jahre alt ist und in Tounfite zur Schule geht.

Zum Tee wurde Fladenbrot mit Olivenöl gereicht. Der Tee, für unsren Geschmack, viel viel zu süß, erhielt seine Magie durch den Moment! Als Gastgeschenk steuerten wir eine Schachtel mit Keksen bei, die wir aus Spanien importiert hatten. Im Anschluss an den Tee versuchte Lisa in Erfahrung zu bringen, aus welchen Zutaten das Fladenbrot besteht und wie es gebacken wird. Die Mutter trug geduldig alle Zutaten zusammen um trocken Anschauungsunterricht zu geben und hatte sichtlich ihren Spaß dabei! Wurde uns zwischenzeitlich angeboten zu bleiben, wollten wir an diesem Tag gerne noch den Pass bei Imilchil bezwingen und so ging es für uns zurück auf die doch nicht so versperrte Strecke!

Den schneebedeckten Pass haben wir dann doch erst am nächsten Tag in Angriff genommen. Auf dem Weg dorthin haben wir kurzerhand, mit einem Kissen auf der Handbremse, einen Dreisitzer aus Freitag gemacht und einen charismatischen Berber Herren in sein Heimatdorf gebracht. Etwas wild für deutsche Verhältnisse, für marokkanische hingegen unspektakulär und unterbesetzt, da hätten wir noch mindestens 3 weitere Personen auf den Sitzen stapeln müssen. Als Dank wurden wir zum Essen eingeladen, aber da wir den kalten Pass endlich hinter uns lassen wollten, ging es für uns weiter.

Ab der 2000 m Marke ging Freitag ein wenig die Puste aus und es ging nur noch gemächlich vorwärts auf den matschigen Schotterpisten, angekommen auf 2500 m Höhe gönnten wir uns allen eine kurze Verschnaufpause, bevor es dann endlich wieder hinunter ging.

Am Abend erreichten wir das Tal der Todra-Schlucht und genossen die milderen Temperaturen und die Weite des Tales.

LOST TRACK Reiseblog Marokko Maroc Offroad 4x4 Toyota Landcruiser Todra Dades Schlucht Panorama Piste

Für den nächsten Tag war eine Abkürzung vorgesehen, die uns direkt in die Dades-Schlucht führen sollte. Abkürzungen sind ja bekanntermaßen nicht schneller, aber dafür spektakulärer. Die Offroadstrecke führte uns durch kleine Dörfer, an Nomadenzelten vorbei, durch eine schroffe, aber unglaublich vielseitige Landschaft. Auf der gesamten Strecke begegneten uns nur zwei Deutsche auf ihren Motorrädern, ansonsten genossen wir das Abendteuer für uns allein. Highlight der Tour war das letzte Stück, das uns durch ein Flussbett führte, eingekeilt zwischen zwei massiven Felswänden.

Kaum zurück auf befestigter Straße wurden wir sogleich Teil der Touristenströme. Nachdem die Anfahrt schon der Hammer war konnte uns die Dades-Schlucht selber nicht mehr umhauen.

Wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen und gönnten uns eine so sehr benötigte Dusche, die nun aufgrund der Temperaturen endlich möglich war. Ab hier nahmen wir den Fuss vom Gas und machten uns langsam auf in Richtung Wüste …

LOST TRACK Reiseblog Marokko Maroc Offroad 4x4 Toyota Landcruiser Dades Schlucht Teatime wild camping Vanlife