Team Station goes Santana Trophy

LOST TRACK Reiseblog – Marokko / Santana Trophy 2018

34 Landrover Santana – englische Ingenieurskunst, lizensiert, gefertigt in Spanien, in den meisten Fällen niedergestreckt in Marokko, irgendwo zwischen Melilla und Marrakesch.

Nach einigem Ringen folgten wir Jabouds Einladung die Rallye mit dem Mechanikerteam zu begleiten. Am Ende schlug die Aussicht auf ein einmaliges Erlebnis die Tatsache, dass wir knappe 800km zurück in den Norden fahren würden, aus dem wir gerade gekommen waren und einiges an Sprit dafür nötig sein würde.

Am 7. April verlassen also 3 Toyota LandCruiser mit 7 Mechanikern und 2 Azubis Zagora um in Tendrara auf das Feld zu treffen. Die knurrenden Mägen der Jungs lässt uns den ersten Zwischenstopp bereits 1 Stunde nach Abfahrt an einem Restaurant einlegen. Zeit für eine Tajine, ein erstes gemeinschaftsstiftendes Erlebnis für die Gruppe und Frieden bringendes Element für die Mägen. Man merkt direkt, dass wir für Verwirrung in dem uns unbekannten Teil der Gruppe sorgen. Man sieht regelrecht die Fragezeichen über den Köpfen: “Warum nur schleppt Jaboud die zwei mit an?“ Als seien wir noch Marokko-Anfänger will man uns Messer und Gabel reichen, dabei klappt das mit der Tajine doch schon ganz hervorragend ohne, haben wir doch fleißig geübt. Als wir dies unter Beweis stellen können ist das Eis gebrochen und wir Teil des Team Station, wobei unser Toyota in Marokko als Station bezeichnet, namens gebend ist. Der Trupp besteht aus Chefmechaniker Jaboud, Soufian, Ali, Rachid, Ibrahim, Mohammed und Mr. Jaguar.

Und Abmarsch! Die Jungs legen ein amtliches Tempo vor, das unser gewohntes Reisetempo um Längen schlägt. Man merkt es sollen Kilometer gerissen werden. Nach unzähligen Baustellen, Schotterprovisorien und Pisten nimmt der Tag sein Ende in Talsint. Eigentlich wollten die Jungs hier ein Hotel beziehen, doch nachdem sich der Besitzer nicht an die Preisabsprache hält wird kurzfristig umdisponiert „makan mushkil“ – alles kein Problem und ein „Wildcamp“ der anderen Art mitten im Zentrum von Talsint auf einem Parkplatz eröffnet.

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Verglichen mit Zagora ist es hier saukalt und wir lassen den Jungs zwei unserer Fleeceschlafsäcke zukommen, damit das Ohr am Asphalt etwas mehr gepolstert und besser gewärmt ist.

Der zweite Tag on the Road ist dann deutlich entschleunigt. Nach einem gemeinsamen Frühstück und einigen gefahrenen Kilometern besuchen wir einen Markt. Im Anschluss wird das Team zum ersten Mal gefordert und schiebt nen alten Mercedes an, der unter Startproblemen leidet, ohne zu wissen, dass unsere Sprinterqualitäten noch von unzähligen Santana auf die Probe gestellt werden würde.

Doch zuvor gab es noch ein wenig Zeit zum Relaxen am Startpunkt der Trophy. Hier hatte man ein Bivouac eingerichtet, eine Art kleines, mobiles, aus Zelten bestehendes Hotel im marokkanischen Stil, das neben einer Küche, Esstischen und Stühlen, sanitäre Einrichtungen samt heißen Duschen bereithält. Hier wurden wir von Mustafa dem Chef des Bivouacs in Empfang genommen. Kurz nach uns kommt auch der Kern des spanischen Organisationsteams an, nicht ohne Arbeit im Gepäck zu haben. Also sind Jaboud und Ibrahim kurz darauf damit beschäftigt einen neuen Reifen für Adolfo aufzuziehen. Dabei wehrt sich der alte Reifen mit seinen gesamten 16 Zoll und lässt sich erst mit dem Gewicht eines LandCruisers, der auf ihm in Parkposition ging, von der Felge trennen.

Bis zum späten Abend schaffen es 31 Santana bis zum Camp, wenn auch einige von ihnen nur im Schlepptau. Drei Fahrzeuge bleiben bis zum Folgetag verschollen, doch auch die übrigen bieten Materialverschleiß genug für die erste Nachtschicht. Schnell ist also die Feld-Werkstatt mit Planen auf Grund und Boden markiert und mit Werkzeug bestückt. Alle Mann an die Schraubenschlüssel, im Kampf gegen den Fehlerteufel, der bei den Santana doch eher weniger im Detail steckt. Kühlung, die Spritzufuhr und Flüssigkeitsverlust aus allen Öffnungen sind die britishanischen Standards. Es wird eine lange und kalte Nacht, doch am Morgen ist es geschafft und alle Santlander laufen vom Stapel.

Die Fahrer scheinen in vielerlei Hinsicht besser auf die Rallye vorbereitet zu sein, viele von ihnen in wüstentauglichen Klamotten mit den obligatorischen Desertboots, so sieht man sie am Morgen beim Briefing und der Roadbook-Besprechung. Die kalte Nacht ist an ihnen sichtbar besser vorbeigegangen, dank des wärmenden Feuers im Inneren des Bivouacs und dem ein oder anderen Gläschen.

Wir werden aufgeklärt …

Ziel der Trophy ist es Wegpunkte in einem bestimmten Zeitkontingent an Hand des Roadbooks zu finden. Wer also keine Wegpunkte verpasst und ein gutes Zeitmanagement an den Tag legt, dessen Chancen stehen gut in Marrakesch die Trophy in Empfang zu nehmen. Ansonsten werden Fehlerpunkte für verpasste Wegpunkte oder Zeitüberschreitungen vergeben. So sieht’s also aus! Wir haben von dem Ganzen keinen blassen Schimmer und sind trotzdem mittendrin und voll dabei, nicht nur im Zweiten. Mega!

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Es geht also los und Team Station wird zwangsläufig geteilt. Ibra macht sich mit drei Jungs auf die Suche nach den drei verschollenen Fahrzeugen, die komplett vom Erdboden verschluckt zu sein scheinen, können sie nichtmal mehr mit ihren GPS-Sendern geortet werden. Jaboud, Soufian und Rachid betreuen die restlichen 31 auf dem Weg in die Wüste. Wir spielen Groupie und folgen unserem Paten. Eigentlich hätten wir auch zu Fuß gehen können, denn der erste Santana hat es gerade bis aus dem Lager geschafft. Und wiedermal gibt’s Probleme mit der Spritzufuhr. Jaboud macht sich umgehend daran den Dieselfiter auszukippen, um zumindest den gröbsten Dreck loszuwerden. Ohne Erfolg, der Santlander stottert sich nach dem Anschieben wieder einen zurecht bis er kollabiert. Nur das Umgehen des Dieselfilters sorgt für einen solideren Rhythmus. Ok!

Wir fahren etwa 5km bis wir Startnummer 52 am Straßenrand vorfinden. Die 52 hat aufsteigende Hitze, die Jungs kriegen ihn aber schnell wieder auf Normaltemperatur, so dass er wieder auf die Bahn geschickt werden kann.

Nun war es bereits mittags und wir fuhren schnell wieder auf das Ende des Feldes auf. Eine gesamte Gruppe Santlander hatte sich zum Brunch mit Wein und Bier versammelt. Jaboud kann es mal ein wenig ruhiger angehen lassen und relaxed mit einer eigenwilligen Mischung aus spanischem Serrano Schinken und Rocher die er gereicht bekommt. Trotz des Versuches wird Timo die Bierangebote nicht los und muss sich schlussendlich geschlagen geben, als man ihm ein bereits geöffnetes in die Hand drückt. Sein erstes seit Monaten, mit dem zu erwartenden Effekt! Einen im Tee!

Lisa übernimmt also das Lenkrad und darf dann auch gleich den spannendsten Teil der Etappe fahren. Endlich gibt’s mal ein wenig Schotter und Staub um die Ohren. Das Highlight ist dann ein amtlicher Anstieg, der sogleich wieder herunter gekraxelt werden darf! Bevor Jaboud und Lisa an der Reihe sind können wir noch schauen wie es Nr. 25 mit professionellen Anweisungen des Copiloten, der die Kabine verlassen hat und Nr.125, die es im Autopiloten bzw. aus der Hüfte gezirkelt, angehen. Timo verlässt ebenfalls die Kabine, doch beweist er keine Copilotenqualitäten, sondern rennt wie ein Irrer den Hang mit der Kamera in der Hand herunter, um sich am Fuß gekonnt auf die Schnauze zu legen. Naja, gut dass er schon vorweg betäubt war, hat er sich doch bei der Aktion einen ordentlichen Cut im Knie zugezogen. Bei der Manöverkritik gibt er zu bedenken, dass er die Kamera hervorragend geschützt und Bilder gemacht hat! Das Knie ist daraufhin bald geschwollen und will nicht mehr in Knick gehen! Also bleibt er bis auf weiteres auf der Reservebank! Ein ähnliches Bild gibt dann auch ein Santlander ab, an dessen Vorderachse sich Fahrer und Team zu schaffen machen. Bei unserer Ankunft ist man allerdings schon wieder beim Zusammenbau, so dass wir uns unter das Fahrervolk im temporär gebildeten Camp mischen.

Den weiteren Verlauf der Rallye sollten alle Santana aus eigener Kraft bewältigen und erst im Bivouac auf Hilfe angewiesen sein. Bevor der Rallyealltag weiter sein Tribut zollt, gönnt sich Team Station einen Zwischenstop in Erfoud. Hier gibt es eine Tajine Kebab, eine eiskalte Coke und drei weitere Mechaniker, plus einen weiteren Toyo “to go”. Erst in der Dunkelheit kommen wir im Bivouac an, wo wir auch auf Ibra in bestechend guter Laune treffen. Ist er doch heute 600km gefahren um die drei Abkömmlinge einzusammeln, fit zu kriegen und zu eskortieren. Er strotzt nur so vor Sarkasmus. Jetzt geht es in die Vollen. Die Werkstatt wird geöffnet, doch kurz darauf steht Tür und Tor offen für einen heraufziehenden Sandsturm. Auch der Versuch den Arbeitsbereich mit unseren Autos zu umstellen und mit Decken abzuschirmen ändert nichts an der Sandstrahlung deluxe. Einmal Ganzkörperpanade bitte! Selbst mit Skibrillen wäre das Arbeiten abenteuerlich gewesen, doch wir nahmen den Kampf gegen defekte Landis und den Sand ohne auf. Timo gab sich alle Mühe, doch es war nicht mal eine Blattfeder von Nr. 25 demontiert und die Augen bereits wie matt geschliffen und dementsprechend rot und gereizt. Es war schlicht unmöglich unter diesen Umständen zu arbeiten. Das befanden einige Fahrer auch für die Nachtruhe und suchten das Weite, um sich in einem Hotel zu Betten. Gegen 4 Uhr ging es auch für uns in die Horizontale. Jaboud und Ibra haben sich kurzerhand eine Werkstatt in der Nähe organisiert, um begonnene Arbeiten abzuschließen. Um 7 Uhr morgens, als unsere Nacht ein Ende nahm, waren die Jungs noch immer auf den Beinen und waren damit beschäftigt das Werkstattequipment wieder auf die Autos zu verteilen. Am Ende waren wieder alle Arbeiten abgeschlossen, auch wenn dies mit einem herben Augenflüssigkeitsverlust einherging. Die Jungs sind einfach nur krass!

Ein mehr als verdienter Antritt des Teams am Frühstücksbuffet, das reichhaltig eingedeckt war. Für die Jungs gab’s erstmal eine ordentliche Dosis Koffein, um die Pumpe ja nicht herunterzufahren und um Schadensbegrenzung im Energiehaushalt zu üben gab es eine Art Pancake, Honig, frisches Brot mit Ei und Olivenöl. Denn es stand uns ja Tag 3 der Trophy bevor. Der Start hätte dabei nicht schlechter sein können. Den ersten Patienten gibt es sogleich im Camp, der Santana von zwei argentinischen Zahnärzten. Dieser geht nur äußerst geizig mit dem Sprit um. Da ein Handbalg fehlt übernimmt Jaboud den Ansaugvorgang oral und gibt sich direkt nach dem Frühstück eine ordentliche Portion Diesel. Sein Gesicht spricht eine deutliche Sprache, fuck Santana! Doch wie immer, läuft auch dieser Patient am Ende wieder. Im Anschluss reichen wir Jaboud erstmal eine frische Orange in der Hoffnung, dass diese den Diesel ein wenig zu neutralisieren vermag!

Und Aufsitzen, die nächsten Kunden warten bereits im Sand, den es eigentlich zu bezwingen galt. Es steht eine der beiden großen Sandkisten Marokkos auf dem Programm, das Erg Chebbi. Hatten wir uns mit unserer Reiseroute gegen dieses Sandwüstengebiet, auf Grund von zu hohem Touristenaufkommen entschlossen, freuten wir uns nun doch darauf die Schaufel auszupacken und ein paar Sandburgen in den Sand zu fräsen. „Green Bullit“ hingegen hatte sein Pulver bereits verschossen und lag brach auf Grund von Kühlungsproblemen. Der Ventilator war wackelig auf den Beinen und kratzte teilweise auf Metall. Das Problem stellte sich noch komplizierter dar und konnte nicht an Ort und Stelle gelöst werden. Hierfür fehlten die nötigen Ersatzteile. Die zwei anderen Toyota kümmerten sich derweil um die fortgeschritteneren Landrover, die auf Grund von diversen Defekten ebenfalls hinter dem Feld zurückgeblieben waren. Da waren die frischen Mechaniker direkt gefordert.

Jaboud stellte unweigerlich seine Multitaskingfähigkeiten unter Beweis, das Telefon klingelte ununterbrochen und ließ ausschließlich weitere Schadensmeldungen verlauten. Unweit vom grünen Geschoss war ein anderer Landrover mit der Diagnose kaputte Zylinderkopfdichtung liegengeblieben. Ibra und Timo machten sich auf den Weg zur Rettung während Jaboud, Soufian und Lisa den Grünen antäuten, um ihn aus dem Sandkasten zu ziehen. Dies gelingt allerdings erst mit dem Vorspannen eines zweiten Wagens, war doch der Sand einfach zu tief. Zeitgleich gehen Ibra und Timo dem Problem mit der Dichtung auf den Grund. Ibra der alte Fuchs hat schnell zwei Gründe ausgemacht: 1. der Metallbehälter der Kühlflüssigkeit, der sich auf Grund seiner Bauform nicht genug ausdehnen kann und daher zu hohen Druck und Stress für die Dichtung produziert und 2. das Fahren mit zu viel Motorleistung, bedingt durch zu hohen Reifendruck. Lösung: Deckel und Reifendruck runter. Ibra lässt sich dann nicht nehmen seine Behandlungsergebnisse am Lenkrad zu überprüfen und Timo bekommt eine neue Beifahrerin. Es steht schnell fest, dass die Zylinderkopfdichtung mit weniger Druck einwandfrei dichthält und Ibra den Fahrersitz getrost räumen kann. Das Grüne Geschoss war nun geborgen, musste allerdings noch auf der Straße weiter in die nächste Werkstatt befördert werden. Eine Aufgabe für die sich Ibra berufen fühlt.

Wir treten mit Jaboud die Verfolgungsjagd an und nutzen einen Bypass zur eigentlichen Strecke, also doch kein Erg Chebbi für uns. Die kurze Pause zum Herstellen eines adäquaten Reifendrucks nutzt Jaboud zum komatösen Nickerchen unter unserem Auto. Der Akku ist nach 2,5 Tagen im Schrauben-Fahren-Schrauben-Modus komplett leer. Es grenzt an ein Wunder, dass er sich noch auf den Beinen halten kann!

Am Abend haben wir das Feld mit dem kompletten Mechanikerteam eingeholt und schauen zu, wie die Sandlander gemäßigte Sandhügel bezwingen. Es wird dunkel, nun noch der Endspurt über’s freie Feld und dann haben wir es auch schon ins Hotel geschafft. An diesem Abend klingt sich Jaboud aus, da er einen familiären Termin in Zagora wahrzunehmen hat. Nachdem er unser Angebot, ihn zu fahren, ausschlägt und er somit alleine die 3 Stunden Fahrt mit 80 Prozent Pistenanteil antritt, macht Lisa ihm zumindest einen dreifachen Espresso im Thermosbecher und nimmt ihn ins Gebet, dass wir ihn morgen in einem Stück in Mhamid in die Arme schließen wollen. Nach einigen kleineren Arbeiten versammelt sich der Rest des Teams am Esstisch. Im Anschluss lauschen wir einer Liveband die den Soundtrack zur Wüstenkulisse spielt. Ein Gitarrist und mehrere Joungster an Trommeln. Einfach genial! Nach einer Dusche geht es so gegen 2 Uhr verhältnismäßig früh in die Falle.

Der vorletzte Tag, den wir fahrerisch begleiten würden, sollte es nochmal in sich haben – das große Finale sozusagen.

Der erste Ausfall des Tages war sogleich Anschauungsmaterial für die auftretenden Kräfte und Strapazen denen die Fahrzeuge ausgesetzt sind. Die unzähligen Kilometer auf Schotterpisten bringen jedes Teil in Bewegung und führen hin und wieder zu Fehlstellungen. Es war der Ventilator der sich nach mehr Platz zum Rotieren sehnte. Bei genauerer Untersuchung stellt Ibra fest, dass der gesamte Motorblock einen Satz in die vorderste Front gemacht hat, der Kühler perforiert und der Auspuff auseinandergerissen war. Mit einigen Zurgurten kann der Motor aber wieder in seine ursprüngliche Position versetzt werden. An eine Wiederaufnahme des Rennens ist mit diesem Provisorium nicht zu denken und es ist Ibra der den Landrover via Querfeldein-Navigation Richtung asphaltierte Straße bringt und gekonnt alle krasseren Passagen butterweich umfährt. Wir folgen ihm brav nach Zagora bis in Jabouds Werkstatt und spielen quasi die Wasserträger, muss das Kühlwasser doch ständig mit Wasser aus unserem Tank aufgefüllt werden. Um den Wasserverlust zu minimieren landet eine ordentliche Prise Tajinegewürz im Kühler. Dieses setzt die Löcher zu, erklärt uns Ibra später. In der Werkstatt angekommen ist bereits alles vorbereitet um das Provisorium in eine rallyetaugliche Endlösung zu wandeln.

Wir verschnaufen kurz, bevor wir wieder die Spur der Trophy aufnehmen. Es ist bereits später Nachmittag und uns stehen noch 150km bis zur Salzpfanne Iriki, die auf das Erg Chegaga folgt, bevor. Wir geben also Gas. Bereits auf den asphaltierten Straßen zeigt sich was uns im Sanddünengebiet Chegaga bevorsteht. Unfassbar viel Sand in der Querbewegung. Als wir im großen Sand ankommen wird uns unnötiger Weise auch noch das Tageslicht abgestellt und wir machen das, was man unter keinen Umständen ohne einen Berberkompass und exzellente Ortskenntnisse machen sollte: in der Nacht, im Sandsturm durch die Wüste zu fahren. Es bleibt uns ein Rätsel wie es Ibra mit einer Sichtweite von maximal 10m und Sanddünen, die unzählige Kopien zu haben scheinen, geschafft hat uns bis auf 12km an das zu findende Bivouac heranzubringen! Doch dann ging auch sein Kompass auf Störung. Wir irrten noch ein wenig umher um Empfang mit dem Telefon zu finden. Dann konnten wir uns die Gps-Koordinaten von Jaboud durchgeben lassen, mit denen wir unser kleines Garmin fütterten. Nach unzähligen Verbindungsabbrüchen zum Satelliten und beinahe Kollisionen mit Sanddünen erreichten wir gegen Mitternacht das Camp. Allesamt fielen wir uns erschöpft und vor reiner Freude in die Arme! Jaboud rief daraufhin alle zusammen und es gab erstmal was zwischen die Kiemen. Pasta Bolo von Mustafa, die auch mit Sand im Gebiss hervorragend geschmeckt hat!

Im Anschluss haben wir den Feierabend quasi verordnet bekommen und Ali und Rachid eigens für uns den Bollerofen für die heiße Dusche befeuert. Diese Dusche war einfach nur der Hammer, unbeschreiblich! Da machte es auch nichts, dass man die Hälfte des Sandes bereits auf dem Weg vom Duschzelt zum Auto wieder im Gepäck hatte …  waren doch einmal alle Anstrengungen von einem abgeflossen.

Am darauffolgenden Morgen gilt es für die Trophyteilnehmer einen Parcours in der Salzpfanne zu absolvieren. Komplett ereignislos können wir dem Treiben zuschauen. Von zwei Fahrzeugen aus der Heimat erben wir hier noch Lebensmittel und Hardware, da sie Marokko mit dem Flieger verlassen und ihren Autos eine längere Rückkehr bevorsteht. Es gibt Gummibärchen in der Halal Ausgabe satt. Zu Beginn der Rallye waren es ganze 100kg, die auf alle Fahrzeuge verteilt wurden, um sie an die Kids am Straßenrand weiterzugeben. Nachdem der Parcours abgefrühstückt war geht es in Richtung Foum Zguid und wir geben mal so richtig Gas und fetzen rüttelfrei durch die Salzpfanne.

Schon bald treffen wir wieder auf unsere Landsleute und Spender, deren Batterien hatten den Rütteltest nicht bestanden und eine ordentliche Ladung Batteriesäure verloren. Bei dem Versuch hier noch etwas zu retten bekommt Jaboud etwas von dem Teufelszeug ins Auge. Shit! Wir sind um Schadensbegrenzung mit unserer Boardapotheke bemüht. Nachdem Jaboud wenigstens mit einer Augensalbe verarztet ist, schleppen wir das Fahrzeug bis zu einem Hotel in Foum Zguid, wo es später von einem Abschleppwagen in Richtung Zagora verfrachtet wird.

Wieder treten wir die Aufholjagd an und konnten immerhin ohne weitere Zwischenfälle eine traumhaft schöne Schotterpiste gen Ouarzazate fahren. Das war schon irre, aus der Wüste zu kommen und kaum, dass man diese verlässt, schneebedeckte Berge als Kulisse zu haben. Wie so oft wünschten wir uns an dieser Stelle den Reise- statt Rallyemodus. Einfach abparken, ein wenig wandern und die Szenerie intensiv auf sich wirken lassen. So bleibt uns leider nur ein kurzes, oberflächliches ah und oh!

In Ouarzazate steht der letzte Schraubermarathon bevor, der eigentlich noch am selben Abend ein Ende finden sollte und wir die ersehnte Rückkehr nach Zagora antreten würden. Eigentlich … nur daraus wird leider nichts. Ein undichter Simmering am Verteilergetriebe, ein leckender Kraftstofftank, kaputte Stoßdämpfer, gerissene Dachgepäckträger und die Standards, Kühlung und Antrieb machen einen Strich durch die Rechnung. Es ging Jaboud hier und Jaboud da, alle wollten sie irgendetwas, war’s doch ab morgen vorbei mit dem Mechaniker der Gewehr bei Fuß steht und von dem man sich im Zweifel sogar noch zur Tankstelle eskortieren lassen kann, weil man nicht rechtzeitig getankt hatte. LOST TRACK Reiseblog Garage Jaboud Challenge Santana Trophy Afrika Marokko Toyota Landcruiser Landrover Rallye Vanlife Offroad Overland 4x4 Lifeontheroad Mechaniker Sahara

Nun waren sie bald entlassen in die Eigenständigkeit und der Weg bis nach Marrakesch stand ihnen noch bevor. Die Jungs gaben also nochmal ihr letztes Hemd, während viele Fahrer nach der Dusche im Hotel selbiges überstriffen, um in Abendgarderobe Ouarzazate unsicher zu machen. Um 4 Uhr morgens sehen wir mal zu, dass wir noch irgendwo etwas Essbares in der City auftreiben können, damit die Jungs nicht vom Fleisch fallen. Es gelingt uns tatsächlich, auch wenn es teuer und nicht so der Hammer ist, Hauptsache ein wenig Energie.

Um 6 Uhr machen wir eine kurze Stippvisite in unserem Bett. Als wir 2 Stunden später wieder auf den Beinen sind ist noch ein Problemkind aus England übrig. Es dauert noch den gesamten Vormittag, doch dann war es geschafft und alle Landrover vom Hof!

Das Kapitel Rallye und Santana Trophy war für uns beendet und es war ein wirklich großartiges! Teil dieses Teams und dessen Spirit gewesen zu sein, das alle Höhen und vor allem Tiefen, die sich während der Trophy auftaten, mit einem Lächeln genommen hat, hat uns schwer bewegt. Wir sind froh die Rallye aus dieser Perspektive begleitet zu haben, hat sie uns doch ganz stark den Kulturkonflikt vor Augen geführt, demütig gemacht und für unsere Sensibilisierung gesorgt. Dabei haben wir persönlich viel Zuspruch und einen herzlichen Umgang von den Trophyteilnehmern erfahren, den wir uns ebenfalls für den marokkanischen Teil des Rallyeteams gewünscht hätten. Dies klingt natürlich viel zu pauschal, was es selbstverständlich auch ist. Am Ende bleibt bei uns jedoch, durch viele erlebte Situationen, das Gefühl des Europäers auf seinem hohen Ross zurück. Und klar, auch wir gehören dazu, doch sind wir stets bemüht es gegen einen Esel einzutauschen.

Am späten Nachmittag sind wir zurück in Zagora und schieben erstmal eine ruhige Kugel. Dies gilt nicht für Jaboud, der sich nach einer Dusche daheim in einen frischen Overall pellt, um ins 100km entfernte Foum Zguid zurück zu fahren. Dort wartet schon der nächste Rallyeeinsatz. Bei der Mhamid Express muss noch heute Nacht an einem Peugeot 205 das Getriebe gewechselt werden. Er sagte uns einmal er sei jung, aber hätte bereits viele Kilometer auf der Uhr, daran besteht für uns nun definitiv kein Zweifel mehr. Am nächsten Morgen treffen wir ihn wieder, unseren Lieblingsmechaniker mit dem großen Herzen und der großen Batterie. Er sieht deutlich frischer aus. Wir fragen pauschal ob er ordentlich geschlafen hat. Jaboud: „I had a big, big sleep. 4 hours!“ und grinst so charmant wie immer. „Habil“, der Gute ist einfach nur irre und wir einfach so dankbar dafür diesen Wahnsinnstypen kennengelernt zu haben!

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