Kassensturz

LOST TRACK Reiseblog – Reisekosten

Das Jahr 2017 ist passé. Grund genug einmal zurück zu schauen und das Jahr zu bilanzieren … 

Wir machen einen Kassensturz:

Wir haben bisher sieben Landesgrenzen mit vier Amtssprachen übertreten. Wir wurden genau einmal von der Polizei kontrolliert und ein anderes Mal wegen Wildcampen verwarnt. In beiden Fällen waren die Beamten super nett und umgänglich. Im ersten Fall hatten wir ohnehin den Eindruck, dass sie uns lediglich aus Interesse an unserem Auto angehalten haben. Oder es kommt einfach echt gut die Frage „Wo wollt ihr denn hin“, mit „Wir sind auf dem Weg nach Afrika“ zu beantworten.

Bleiben wir beim Thema Auto:

Wir konnten das Überschreiten der 201.000 km zu Protokoll nehmen und haben nun seit Mitte August 8110 km gefahren. Dabei haben wir etwa 1 Liter Öl nachgefüllt, die Kardanwellen drei Mal und die Achsschenkel zwei Mal neu abgeschmiert. Getreu dem Motto, wer gut schmiert der gut fährt! Der Motor wollte kein Wasser, dafür unsere Scheibenwaschanlage. Freitag hat sich spätestens nach den Pyrenäen eine und seine bisher einzige Dusche an einem Flusslauf mehr als verdient. Bei unserem bisherigen Reisetempo verfahren wir etwa 200 Liter Diesel in einem Monat, bei deutlich variablen Spritpreisen. Am günstigsten war natürlich Andorra mit nur 94 Cent, in Portugal verlangt man für einen Liter Diesel teilweise bis zu 1,37 € was bislang mit Abstand am teuersten war. Wir versuchen, wann immer wir können, an supermarkteigenen Tankstellen zu tanken, die oft deutlich günstiger sind. Somit hat Freitag den größten Energiebedarf, wobei er sich zwischenzeitlich mit 11,5 l/100 km begnügt hat, bei fast ausschließlichem Geländeeinsatz wollte er hingegen 15 Liter.

Werfen wir nun einen Blick auf unseren Energiebedarf:

Mit zwei Personen, liegt dieser leicht unter dem von Freitag. Wir geben etwa 200 € im Monat für Lebensmittel aus, so dass wir für drei Mahlzeiten am Tag unter 3,50 € pro Kopf liegen. Diesen Wert erreichten wir nicht zu letzt durch einige erfolgreiche Dumpsterdive-Aktionen. Außerdem essen wir wenig Junkfood, da die Zeit zum Zubereiten frischer Speisen gegeben ist und auch der Verzicht auf Fleisch und Alkohol fällt uns nicht schwer. Stetig im Einsatz ist unser Benzinkocher, der dies für 50 Cent am Tag tut. Wobei unser enormer Teegenuss mit Sicherheit ein ernstzunehmender Kostentreiber ist. Wir haben gute 700 g losen Tee aufgebrüht, was etwa 2-3 Kannen Tee am Tag á 1,5 Liter entspricht.

Bislang waren wir genau einmal in einem Restaurant essen, dass anlässlich zu Shaun und Pias Grunderwerb besucht wurde. Ansonsten gibt es alles aus der heimischen Küche, die zuweilen mit gesammelten Kräutern und einigen wild wachsenden Gemüsepflanzen erweitert wird. Unser Wissen darüber, welche Pflanzen und Kräuter genießbar sind wird immer breiter, was ziemlich cool ist!

Der momentane Wasserbedarf liegt mit 50 Liter je Woche unter dem Tagesverbrauch pro Kopf aller westlichen Länder, wo dieser gerade mal für eine Dusche reicht. Fairer Weise müssen wir gestehen, dass wir erst dreimal mit dem Wasser aus unserem Wassertank geduscht haben und wir stattdessen Strandduschen oder Wasser aus Flüssen und Seen mit Hilfe eines Eimers zum Duschen nutzen. Ähnlich halten wir es mit unserer Wäsche, die wir nur ein aus fünf Malen in einem Waschsalon gewaschen haben. Wir müssen also nur ca. alle zwei Wochen unseren 100 l Wassertank füllen, wofür wir bislang nicht ein einziges Mal zahlen mussten.

Nun zu den Arbeitsstunden des Bordequipments:

Das am häufigsten verwendete Werkzeug ist der gute alte Klappspaten, der täglich wertvolle Dienste erweist. Rang Nummer Zwei geht an das Dachtape, das klebt wie Hulle und ist für fast alles zu gebrauchen. Dicht gefolgt vom Eimer und unserem Digitalmultimeter. Wurde der Eimer zu Reisebeginn noch zum Wechseln von Getriebe- und Differentialöl genutzt, wird er nun zum Duschen, Waschen und Verstauen von nassem Kram verwendet. Unser Kompressor hat sich bei Offroadfahrten gut bewährt und unser Wagenheber hat bislang zwei gestrandeten Fahrzeugen aus der Klemme geholfen. Seilwinde und Sandbleche warten noch auf ihren ersten Einsatz. Das einzige Mal, dass wir uns festgefahren haben, konnte mit dem Klappspaten Abhilfe geschaffen werden.

In Sachen Campingausrüstung gibt es nicht das eine Arbeitstier. Je nach Terrain kommen Stühle, Tisch oder Hängematte, oder die Dachterrasse zum Einsatz. Auch zum Schlafen nutzen wir beide uns gegebenen Möglichkeiten. Einzelne Nächte, oder wenn’s mal arschkalt ist, werden im Auto genächtigt, bei einem geeigneten Campspot greifen wir gerne auf das Bett in majestätischer Höhe, das Dachzelt, zurück.

Kontakt zu den daheim Gebliebenen halten wir bislang noch über die gute alte Aldi Talk Simkarte, bei der das Datenpaket, dank abgeschafften Roaminggebühren, nun in ganz Europa gilt.

Klingt jetzt irgendwie alles ziemlich easy … tja, das dicke Ende kommt zum Schluss:

Die KO-Liste wird angeführt von unserem Solarpanel, das es beim Abflug vom Dach zerrissen hat. Dank eines 12v Lötkolben konnten wir es aber wieder einigermaßen in Gang bekommen. Die Never-Ending-Story scheint aber unser Bettauszug, der an den zwei Schwachstellen die er besitzt, jeweils einmal gebrochen ist. Mit Harz und Glasfaser repariert erträgt er uns aber weiterhin mit Fassung. Genau wie die Stauklappe die ebenfalls Teil unseres Bettes ist. Einem gerissenen Außenspiegel konnten wir ebenfalls mit Glasfaser wieder einen stabilen Auftritt verleihen. Leichte Undichtigkeiten der hinteren Schiebefenster, die für einige Nächte die Mitnahme eines Handtuches erforderten, konnten mit Hilfe von Knetdicht in Griff bekommen werden. Seither nutzt man das Handtuch ausschließlich nach Bad oder Dusche.

Am meisten Sorgen bereitet haben uns die Fernbedienungen der Wegfahrsperre, war der erste Ausfall noch batteriebedingt, folgte der nächste ohne Erklärung. Das Auseinanderbauen und Säubern der Kontakte nutze nichts, also machten wir uns auf die Suche nach Ersatz, den es leider ausschließlich in Südafrika zu bekommen gibt. Die Bestellung war fast ausgeführt, als die Fernbedienung plötzlich wieder funktionierte, ohne Worte … Elektrik halt. Weniger Rätsel gab uns ein korrodierter Zusatzblinker in der vorderen Stoßstange auf, etwas Schmirgelpapier zur Hand und gut.

So zieht es sich wie ein roter Faden … irgendwas ist ja immer! Ist es nichts am Auto, dann sind es die Surfbretter, sind es nicht die Surfbretter, dann sind es die Klamotten, die getaped werden müssen, oder die Schlappen, die neu besohlt werden wollen, oder oder, oder.

 

Toi toi toi – wir klopfen auf Holz! Bislang gab es nichts ernstzunehmendes, weder Unfälle, Verletzungen, noch Diebstähle oder anderweitige Verluste.

Alles in allem sind wir bisher echt zufrieden was unseren Ausbau und das Equipment angeht, nichts das total schrott, total unnütz, oder völlig fehlgestaltet ist. Wahrscheinlich würden wir heute eher Schichtholz, wie z.B. mehrlagiges Bambus für den Ausbau nutzen, anstelle des Paulownia Holzes und klar haben wir uns ab und an die nicht vorhandene Standheizung herbeigesehnt und werden wohl auch die Klimaanlage irgendwann mal missen, aber auch das werden wir überleben und freuen uns bereits jetzt auf die Abenteuer außerhalb Europas.